Rocket Internet : Investor steigt bei Berliner Start-up-Fabrik ein

Ein Unternehmen aus Manila investiert 333 Millionen Euro in die Berliner Start-up-Fabrik. Rocket Internet ist damit mehrere Milliarden wert.

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Rocket Internet hat rund 300 Mitarbeiter in Berlin. Foto: Rocket Internet
Rocket Internet hat rund 300 Mitarbeiter in Berlin.Foto: Rocket Internet

Auf so eine Erfolgsgeschichte hat Berlin lange gewartet. Bald geht Rocket Internet, die Start-up-Fabrik der Brüder Samwer, an die Börse – und wird von Beginn an eines der wertvollsten Berliner Unternehmen sein. Derzeit bewerten Investoren Rocket Internet bereits mit 3,3 Milliarden Euro. Das lässt sich daraus schließen, dass die Telefongesellschaft Philippine Long Distance Telephone Company (PLTD) aus Manila für einen Anteil von zehn Prozent jetzt 333 Millionen Euro bezahlt, wie beide Unternehmen am Donnerstag mitteilten. Damit reicht Rocket Internet zwar nicht an den Medienkonzern Axel Springer heran, der aktuell an der Börse 4,1 Milliarden Euro wert ist, überholt aber Osram (Börsenwert: 3,1 Milliarden Euro) und lässt Air Berlin (140 Millionen Euro) weit hinter sich.

Mehr als 100 Firmen seit 1999

Rocket Internet ist eine Art Brutkasten für Start-ups. Hier werden Internetfirmen am laufenden Band produziert. Seit 1999 sind so mehr als 100 Firmen entstanden, die in mehr als 105 Ländern der Erde aktiv sind und aktuell mehr als 20 000 Mitarbeiter beschäftigen. Zusammen setzen sie mehr als 700 Millionen Euro um – wobei man bedenken muss, dass alle diese Firmen jünger als 15 Jahre sind, zum Teil nur wenige Monate alt. Rocket Internet heißt übrigens erst seit 2007 so. Gründer sind die Brüder Alexander, Marc und Oliver Samwer. Oliver Samwer, der sich vor ein paar Jahren einmal selbst als „der aggressivste Mann im Internet“ bezeichnet hat und wegen seines Tonfalls immer wieder in die Kritik geraten ist, ist heute der Chef des Unternehmens.

Gesteuert werden die Firmen aus Berlin

Das Kerngeschäft von Rocket Internet ist eine Firma nach der anderen zu gründen. Im vergangenen Jahr sammelte das Unternehmen für seine Start-ups (inklusive Rocket Internet selbst) mehr als eine Milliarde Dollar von Investoren ein. Rocket-Firmen starten also immer mit einem dicken Geldpolster. Ihr Ziel ist: wachsen, so schnell wie möglich. Für die Geschäftsmodelle gibt es drei strikte Vorgaben: Es muss einen signifikanten Markt geben mit einem Volumen von mindestens einer Milliarde Dollar und einem Umsatzpotenzial von 100 Millionen Dollar. Der Wettbewerb in den Zielmärkten muss relativ schwach sein. Schließlich muss das Geschäftsmodell bereits erprobt sein.

Rocket Internet ist in 105 Ländern aktiv. Die Zentrale ist in Berlin. Foto: Rocket Internet
Rocket Internet ist in 105 Ländern aktiv. Die Zentrale ist in Berlin.Foto: Rocket Internet

Letzteres hat den Samwer-Brüdern und ihren Unternehmungen die Kritik eingebracht, keine eigenen Ideen zu haben, sondern gute Ideen nur zu kopieren. Allerdings hat es wohl weltweit niemand geschafft, im Kopieren, Vervielfältigen und Anpassen von Internetfirmen so schnell und erfolgreich zu sein, wie Rocket. Geografisch konzentriert sich das Unternehmen dabei auf Europa, Asien, Südamerika, den Mittleren Osten und Afrika – nur in den USA bauen sie keine Firmen, da investieren die Samwers privat. Das ganze Imperium wird von Berlin aus gesteuert.

Ein Brutkasten auch für Gründer

Rocket hat das Gründen professionalisiert. Ohne das Unternehmen gäbe es den Start-up-Boom in der Hauptstadt womöglich gar nicht, jedenfalls bestimmt weniger stark, denn viele Gründer kommen aus dem Umfeld von Rocket oder haben früher für die Samwers gearbeitet. Noch immer verdient Rocket kein Geld – soll es aber auch nicht, argumentiert das Unternehmen, denn jetzt sei die Zeit des aggressiven Wachstums. Gleiches gilt für das berühmteste Rocket-Gewächs, den Online-Modehändler Zalando, an dem Rocket jetzt keine Anteile mehr besitzt.

Eine Partnerschaft für mobiles Bezahlen

Den drei Brüdern, die ihre ersten Millionen mit dem Verkauf der Ebay-Kopie Alando an Ebay verdient haben, gehören heute über den Global Founders Fund nur noch 58,7 Prozent an Rocket. Die übrigen Investoren sind die schwedische Beteiligunggesellschaft Kinnevik, der Russe Len Blavatnik (über Access) und nun ganz neu die philippinische PLDT, die allerdings nicht nur finanzielles, sondern auch strategisches Interesse hat. PLDT hat nämlich eine Tochterfirma, Smart Communications, die auf mobile Bezahlsysteme spezialisiert ist und unter anderem mit der Kreditkartenfirma Mastercard zusammenarbeitet. Mobiles Bezahlen und mobiles Banking ist ein gigantischer Wachstumsmarkt in Schwellen- und Entwicklungsländern, in denen es weder ein ausgereiftes Bankensystem noch stationäres Internet gibt. Hier wollen beide Firmen nun kooperieren.

Ein Botschafter für deutsche Start-ups

Für die Szene ist das Investment in Rocket ein positives Signal. „Rocket Internet zeigt, dass in Deutschland gegründete Start-ups international erfolgreich sein können“, sagt Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Startups. Rockets Aktivitäten in Asien seien hierzulande bekannt. „Da wundert es nicht, wenn auch asiatische Investoren auf Rocket Internet aufmerksam werden. Für Deutschland kann Rocket Internet damit ein Botschafter für Investitionen in unsere Start-ups sein.“

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