Rohstoffe : Biosprit-Werk stoppt Produktion

Wegen explodierender Getreidepreise schreibt Verbio Verluste – und sieht nun die Politik in der Pflicht.

Christoph Giesen

Berlin - Die steigenden Getreidepreise machen nicht nur Verbrauchern zu schaffen. Weil die Rohstoffe immer teurer werden, sieht sich der größte deutsche Bioethanolhersteller, die Vereinigte Bioenergie AG (Verbio), gezwungen, Anfang September die Produktion im Schwedter Werk für unbestimmte Zeit auszusetzen. Bioethanol wird durch alkoholische Gärung gewonnen, zu meist aus Getreide oder Zuckerrübensaft.

„Die Getreidepreise haben sich verdoppelt“, sagte Verbio-Vorstandschef Claus Sauter am Montag dem Tagesspiegel. Eine Tonne Roggen koste inzwischen rund 220 Euro auf dem Weltmarkt, im vergangenen Jahr habe man etwa 105 Euro ausgeben müssen.

Zwar wurde in diesem Jahr mit 610 Millionen Tonnen (siehe Kasten) weltweit mehr Getreide geerntet als in den Vorjahren. Dennoch steigt der Preis. Einer der Hauptgründe ist die weltweit wachsende Nachfrage nach Biosprit.

„Wir können die höheren Kosten nicht an die Verbraucher weitergeben, die Konkurrenz aus Brasilien produziert viel preiswerter“, sagte Sauter. Die Südamerikaner sind die größten Ethanolproduzenten weltweit, dort wird der Biotreibstoff aus Zuckerrohr hergestellt.

Die Verbio AG ist mit einer Produktionskapazität von 300 000 Tonnen Bioethanol pro Jahr Marktführer in Deutschland. Angesichts steigender Erdölpreise macht sich die Branche Hoffnung auf gute Geschäfte. Verbio und der Rivale Crop Energies sind deshalb im Herbst 2006 an die Börse gegangen. Die Unternehmen brauchten frisches Geld, um investieren zu können, denn die Zukunft sah vielversprechend aus. Seit Januar 2007 muss herkömmliches Benzin zu 1,2 Prozent Bioethanol enthalten. Bis 2010 sollen 3,6 Prozent des Benzins aus Bioethanol hergestellt sein.

Doch die Rechnung ging nicht auf: Verbio machte im ersten Halbjahr 2007 einen Verlust von 3,3 Millionen Euro. Der Aktienkurs stürzte innerhalb eines Jahres von rund 15 Euro um zwei Drittel ab. Am Montagabend kostete die Aktie 4,20 Euro. Verbio-Chef Sauter hofft nun, dass die große Koalition einen Beschluss der SPD-Bundestagsfraktion umsetzt. Die SPD fordert, die Quote kräftig zu erhöhen: Ab 2008 sollen demnach fünf Prozent Bioethanol beigemischt werden. „Wenn die Politik nichts tut, dann sind weitere Investitionen Harakiri“, sagte Sauter.

Beim Branchenzweiten, der Crop Energies AG, läuft das Geschäft mit Bioethanol hingegen rund. Die Produktion im sächsischen Zeitz sei voll ausgelastet, geplant sei, die bisherige Kapazität von 200 000 auf 290 000 Tonnen pro Jahr auszubauen, sagte Vorstandsmitglied Lutz Guderjahn. „Wir sind von den jüngsten Turbulenzen nicht betroffen. Wir haben unsere Rohstoffe langfristig eingekauft.“ Ein Vorteil gegenüber Verbio sei, dass Abfallprodukte als Tierfutter verkauft würden. „Etwa 60 Prozent des Getreides wandeln wir in Bioethanol um, aus dem Rest pressen wir Pellets.“ Diese Getreidetaler können an Rinder und Schweine verfüttert werden. „Steigt der Getreidepreis, erhöht sich auch der Preis für unsere Tiernahrung“, sagte Guderjahn.

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