Wirtschaft : Roland Berger muss sich an seine neue Rolle erst gewöhnen

Gründer der Unternehmensberatung tritt ab/Burkhard Schwenker zum Nachfolger gewählt

München (cbu/HB). Roland Berger gab sich betont locker. „Sie sehen einen Menschen, der glücklich und zufrieden ist“, sagte der 65-Jährige mit einem Lächeln. Dabei war es kein leichter Tag für ihn. Gerade hatten die Berger-Berater seinen Nachfolger gewählt. Künftig wird, wie erwartet, Burkhard Schwenker, den Vorsitz der Geschäftsführung bei Roland Berger Strategy Consultants übernehmen. Berger selbst, der die Unternehmensberatung vor 35 Jahren gegründet und zur Nummer Zwei am deutschen Markt aufgebaut hatte, will ab Juli 2003 in den Aufsichtsrat wechseln.

Doch so richtig hat sich Berger noch nicht an seine neue Rolle gewöhnt. Schwenker kam gestern bei der Präsentation des neuen Führungsteams erst nach 30 Minuten zu Wort – und auch nur auf Nachfrage. Bis dahin hatte – wie immer – Roland Berger referiert.

Der Firmengründer, der selbst noch 9,9 Prozent an dem Unternehmen hält (der Rest gehört den Partnern), versprach zwar, sich künftig nicht in das operative Geschäft einzumischen. Er will aber mit seinem „persönlichen Rat“ den Neuen zur Seite stehen und auch bei wichtigen Klienten, etwa im Ausland, in Erscheinung treten. Ein väterliches Lob spendete Berger der neuen Führung: „Von den Herren ist jeder besser als ich es in dem Alter war.“ Der Abschied Bergers leitet einen Generationswechsel ein. Schwenker (44) ist schon länger Mitglied der Geschäftsleitung und hat sich einen Namen gemacht, als er 1998 den Rückkauf der Firma vom damaligen Großgesellschafter Deutsche Bank organisierte. Als sein Stellvertreter wird Antonio Bernardo (43) agieren. Der Portugiese leitet derzeit die Büros in Italien, Spanien und Lateinamerika. In der Geschäftsführung sitzen künftig zudem Thomas Eichelmann (37) und Martin Wittig (38). Die Berufung der beiden ist überraschend. Eigentlich waren Dirk Reiter und Walter Hagemeier im Gespräch. Letzterer soll künftig das Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz führen, das mehr als 50 Prozent der Berger- Aktivitäten ausmacht.

Berger übergibt die Führung in unruhigen Zeiten. „2003 wird kein leichtes Jahr werden“, sagte er. Wachstum soll vor allem aus dem internationalen Geschäft kommen. Auch 2002 werden die Pläne nicht ganz erreicht. Bisher erwartete Berger ein Umsatzplus von zehn Prozent auf 550 Millionen Euro. Am Donnerstag war jetzt von 540 Millionen Euro die Rede. Die Zahl der Mitarbeiter liegt derzeit bei 1700, davon etwa 1170 Berater. Schwenker will die Strategie von Berger nicht ändern und die Internationalisierung des Unternehmens vorantreiben.

Für interne Unruhe sorgt auch der Aufruf einiger Mitarbeiter, einen Betriebsrat zu gründen. Berger machte keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen solche Bestrebungen: „Wir sind keine Bürokratie und brauchen hohe Flexibilität.“ Auch bei den wichtigen Wettbewerbern, etwa bei Marktführer McKinsey, gibt es keine Betriebsräte. Nur bei Accenture und bei KPMG sind Mitarbeiter organisiert.

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