Wirtschaft : Rolf-E. Breuer will nicht an Rücktritt denken

Rolf Obertreis

Favorit für Nachfolge ist Josef Ackermann - Er könnte den Vorstandssprecherposten vorzeitig übernehmenRolf Obertreis

Nach außen galt am Montag fast schon wieder "Business as usual". Doch in den beiden Glastürmen der Deutschen Bank war jedem klar, dass nach den dramatischen Ereignissen der vergangenen Woche nichts mehr so war wie noch Anfang März. Noch nie gab es einen Vorfall, in dessen Folge der Vorstandssprecher so infrage gestellt wurde wie jetzt. Rolf-E. Breuer, der am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz alle Fragen nach einem Rücktritt als grundlos abgetan hatte, sah sich solchen Vorhaltungen übers Wochenende und ebenso am Montag ausgesetzt. Auch aus dem Aufsichtsrat.

Offiziell allerdings heißt es bei der Deutschen Bank: Ein Rücktritt des Vorstandssprechers ist kein Thema. Der Vorstand stehe geschlossen hinter ihm, sagt Pressesprecher Walter Schumacher. Auch eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung werde es nicht geben. Das ließ Aufsichtratschef und Breuer-Vorgänger Hilmar Kopper am Montag mitteilen. Ist also wirklich nichts dran an den Rücktrittsgerüchten? "Wenn in den nächsten beiden Tagen nichts passiert, dann passiert erst einmal gar nichts", sagt ein Analyst. Generell gilt: Rolf-E. Breuer saß zumindest bis Anfang der vergangenen Woche fest im Sattel. "Breuer hat seinen Job bis zu den jüngsten Ereignissen sehr gut gemacht", sagt ein Insider.

Aber jetzt? "Für die Deutsche Bank ist das der GAU", sagt ein Kenner. Zudem hat Breuer mit seinem Amtsantritt das bis dahin uneingeschränkt gültige Einstimmigkeitsprinzip im Vorstand abgeschafft. Wenn Fehler gemacht werden, sollte keiner mehr sagen können, er sei es nicht gewesen. Wer also hat jetzt die Fusion verbockt?

Margret Mönig-Raane, Vorsitzende der Gewerkschaft HBV und Mitglied des Aufsichtsrates möchte erst einmal Hintergründe des Debakels kennen. Nicht nur sie, auch bei der Deutschen Angestellten Gewerkschaft würde man deshalb eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung begrüßen. Ob sich Aufsichtratschef Kopper doch noch dazu entschließt, wird sich zeigen.

Für ein angebliches Zerwürfnis zwischen Aufsichtsratschef und dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank gibt es im übrigen in Frankfurt allenfalls Hinweise. Die beiden hätten sich immer verstanden. Kopper habe die Fusion mit der Dresdner Bank sogar mit vorbereitet. "Aber", sagt einer, "eine herzliche Zuneigung gab es zwischen den beiden Herren nie."

Aber sind das alles wirklich Indizien dafür, dass der Schweizer Josef Ackermann vorzeitig das Steuer übernimmt? Ackermann, so viel ist auf jeden Fall klar, ist der Favorit auf die Nachfolge. Hinter ihm steht Aufsichtsratschef Kopper: Er hat Ackermann selbst in den Vorstand der Deutschen Bank geholt. Und für den Schweizer wäre es mit Sicherheit kein Problem, den Job kurzfristig zu übernehmen.

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