Wirtschaft : Rolls-Royce lobt Ostdeutschland

Deutschland-Chef Axel Arendt will in Dahlewitz weitere Jobs schaffen / Flexibles Personal macht neue Länder attraktiv

Flora Wisdorff

Berlin - Die Arbeitsplätze des Triebwerkherstellers Rolls-Royce im brandenburgischen Dahlewitz sind für die kommenden Jahre gesichert. Der Chef von Rolls-Royce Deutschland, Axel Arendt, äußerte sich im Gespräch mit dem Tagesspiegel optimistisch, dass künftig weitere zusätzliche Arbeitsplätze entstehen werden. Im Juli hatte das Unternehmen bereits angekündigt, 200 neue Jobs zu schaffen, weil eines der zivilen Triebwerksprogramme aus Großbritannien nach Brandenburg verlagert wird. „Die Zahl 200 ist konservativ, ich sehe eher die Möglichkeit, dass wir diese Zahl übertreffen, wenn alles gut läuft“, sagte Arendt dem Tagesspiegel am Dienstag. Derzeit arbeiten 1150 Mitarbeiter in Dahlewitz.

Der hohe Ölpreis wirke sich nicht auf das Geschäft mit den Flugzeugtriebwerken aus, sagte Arendt. „Wir haben im Moment einen relativ starken Aufwind, der selbst durch die hohen Ölpreise nicht erkennbar gedämpft wird. Zurzeit reisen die Leute nicht weniger.“ Das teure Kerosin könne auch „eine Chance sein“, so Arendt. Dann würden die Fluggesellschaften eher in modernere, verbrauchsärmere Triebwerke investieren.

Nach den Attentaten vom 11. September war der Triebwerkhersteller, wie die gesamte Luftfahrtbranche, in eine schwere Krise gestürzt. Am Standort Dahlewitz fiel der Umsatz auf von 1,1 Milliarden Euro auf 600 Millionen Euro, die Zahl der gebauten Triebwerke sank von 256 auf 106 , auch mehr als 150 Jobs wurden abgebaut. 2005 rechnet Arendt mit einem Umsatz von 900 Millionen Euro, „wir sind gut dahin unterwegs“, sagt er. In diesem Jahr sollen 220 Turbinen gebaut werden, nächstes Jahr über 300 , und bis 2007 soll die Zahl auf 400 steigen.

Von den neuen Arbeitskräften würden nur „vorübergehend, für zwei bis drei Jahre“ etwa 30 Ingenieure aus England kommen. Ansonsten seien die Jobs, von denen allein 120 Ingenieurstellen sind, bundesweit ausgeschrieben. „Ich gehe davon aus, dass mehr als die Hälfte aus Brandenburg kommen wird“, sagte Arendt.

Arendt lobte den Standort Ostdeutschland. Rolls-Royce wird zusammen mit der Lufthansa Technik auch ein Werk zur Wartung von Airbus-Antrieben im thüringischen Arnstadt eröffnen, die Investition ist mehr als 100 Millionen Euro wert.

Auch Dahlewitz hatte sich um den Zuschlag beworben. „Thüringen war noch günstiger als Brandenburg“, sagt Arendt. Bei ganz neuen Verträgen könnten die Arbeitskräfte noch flexibler sein. Wichtig sei vor allem, dass es möglich gewesen sei, Jahresstundenkontingente zu vereinbaren. In der Branche müsse man die Möglichkeit haben, „anhand flexibler Arbeitszeitmodelle möglichst verzugsfrei Produktionskapazitäten angleichen zu können“. „Flexibilität ist in unserer Branche ganz wichtig“, sagt Arendt. Auch in Dahlewitz sei die Flexibilität der Mitarbeiter richtungsweisend. Für Thüringen habe jedoch auch schlicht und einfach die Nähe zum Flughafen Frankfurt gesprochen, das Drehkreuz der Lufthansa.

Fördergelder allein seien „kein Argument“, warum Rolls-Royce sich schon zweimal für Ostdeutschland entschieden habe, sagte Arendt. „Kein Unternehmen macht eine Investition nur von Fördergeldern abhängig.“ Neben der Flexibilität stehe die Qualifikation der Mitarbeiter an erster Stelle. Gerade in Dahlewitz sei dies mit der Nähe zu den Universitäten in Berlin, Cottbus und Wildau ideal.

Die Schließung des Werkes in Dahlewitz schloss Arendt langfristig aus. „Wir haben so viel an Vorleistung gebracht, so ein Werk kann man nicht mehr zumachen. Dafür haben wir zu viel Know-how hier angesammelt.“

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