Wirtschaft : Ron Sommer verliert im Wahlkampf

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Berlin (vis). Am Dienstag tagte in Bonn das Präsidium des Aufsichtsrats der Deutschen Telekom. Thema des vierköpfigen Gremiums: Die Lage des Unternehmens und die Zukunft von Ron Sommer. Die Gerüchte, dass der Telekom-Chef keine Unterstützung mehr in der Politik hat und kurz vor seiner Ablösung steht, verdichteten sich gestern in Berlin. Unterdessen erfuhr der Tagesspiegel aus Unternehmenskreisen, dass sich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens im ersten Halbjahr deutlich verbessert hat.

Der Aktienkurs der Telekom reagierte am Dienstag mit einem Kurssprung auf die Gerüchte über die Ablösung Sommers. Die T-Aktie gewann gegen den Trend 6,79 Prozent und schloss bei 11,32 Euro. Am Mittag hatte die „Wirtschaftswoche“ gemeldet, dass der frühere Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch Nachfolger von Ron Sommer werden solle. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe Piëch den Job am vergangenen Wochenende angeboten. Piëch selbst habe sich aber noch nicht entschieden. Dies wurde von der Bundesregierung umgehend dementiert. Der Bund ist noch immer einflussreichster Telekom-Aktionär, er besitzt 43 Prozent der Anteile.

Auch die „Tagesschau“ berichtete am Abend unter Berufung auf Informationen des ARD-Hauptstadtstudios, Bundeskanzler Schröder und Finanzminister Hans Eichel (SPD) hätten sich bereits auf die Ablösung Sommers verständigt. Das Präsidium des Telekom-Aufsichtsrats ging am Abend nach einer neunstündigen Krisensitzung auseinander, ohne dass Ergebnisse bekannt wurden.

In Unternehmenskreisen wird die Diskussion um die Position des Vorstandschefs mit wachsendem Unverständnis gesehen. Die Telekom habe lange daran gearbeitet, bei internationalen Investoren den miserablen Ruf eines Staatsunternehmens los zu werden. Nun erleide sie einen schweren Imageschaden, vor allem bei ausländischen Anlegern. „Wir bekommen die ersten Signale aus den USA. Es wird dort gar nicht gern gesehen, dass sich die deutsche Politik in die Führung einer privaten Aktiengesellschaft einmischt“, hieß es aus den Kreisen. Die Telekom hatte bei der Übernahme des US-Mobilfunkanbieters Voicestream große Probleme, dem US-Senat zu vermitteln, dass die Telekom kein Staatsunternehmen mehr ist. Diese Bemühungen würden nun konterkariert. „Diese populistischen Machtspiele zwischen Schröder und Stoiber richten großen Schaden an.“ Dies sei um so ärgerlicher, da in dem „Unternehmen gerade die Wende anläuft“, hin zu deutlich verbesserten Zahlen, hieß es aus den Unternehmenskreisen. „Es wird ein Kopf gefordert (von Ron Sommer), der nicht zu fordern ist.“

Gute Quartalszahlen

Offiziell wird die Telekom die Ergebnisse für das zweite Quartal erst am 21.August veröffentlichen. Aus den Kreisen erfuhr der Tagesspiegel, dass die Verschuldung zur Jahresmitte auf rund 65 Milliarden Euro gesunken sein soll und Ende 2002 bei unter 60 Milliarden Euro liegen werde. „Wir werden die Schulden – trotz Dividendenzahlung – um mehr als acht Milliarden Euro drücken“, hieß es aus den Kreisen. Der hohe Schuldenstand ist einer der Hauptgründe, für den dramatischen Wertverlust der T-Aktie.

Der Schuldenabbau werde zum einen durch den massiven Verkauf nicht-strategischer Beteiligungen und Vermögensteile erreicht. Die Telekom hat sich zuletzt von ihrer Beteiligung in Indonesien und ihrem Anteil an France Télécom getrennt und verkauft Teile ihrer Immobilien. „Und wir werden noch im zweiten Halbjahr einige Kabel-Regionen verkaufen“, hieß es aus den Kreisen weiter. Telekom-Chef Sommer hatte dem Tagesspiegel vor kurzem bestätigt, dass mit einer Reihe von Interessenten für das TV-Kabel Gespräche geführt würden. Anfang des Jahres war der Verkauf von sechs regionalen Kabelgesellschaften für 5,5 Milliarden Euro an den US-Investor Liberty Media am Widerspruch des Bundeskartellamtes gescheitert.

Außerdem tragen die bereits angekündigten Sparmaßnahmen und Investitionskürzungen zur Schuldenreduzierung bei. „Wir treten radikal auf die Kostenbremse“, hieß es. Allein an Marketing-Kosten würden in diesem Jahr 400 Millionen Euro eingespart.

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