Wirtschaft : Ron Sommer verteidigt den Preis für die neue T-Aktie

MÜNCHEN (cbu/vis/HB). Konzernchef Ron Sommer gibt sich demonstrativ optimistisch: Die Kapitalerhöhung der Deutschen Telekom AG werde wie der erste Börsengang im Jahr 1996 ein Erfolg. "Es gibt eine ganze Reihe von Hinweisen, die dafür sprechen, daß wir an den Erfolg anknüpfen können", sagte Sommer am Dienstag abend in München. Die Zeichnungsfrist hatte erst am vergangenen Montag begonnen. Die Anreize für Privatanleger, seien ein "faires Angebot". Sommer betonte, daß er davon ausgehe, daß die Gratisaktien steuerfrei bleiben werden.

Die Banken signalisieren unterdessen eine hohe Nachfrage nach den neuen T-Aktien. Offenbar kommt die Emission gerade bei Privatanlegern sehr gut an. Aufgrund der Anreize - ein Preisnachlaß und je eine Treueaktie für zehn Aktien, sofern sie für mindestens 14 Monate gehalten werden - in der Frühorderperiode vom 7. bis 15. Juni zeichneten "sie bereits in Scharen". Schwerpunkt der Nachfrage sei Deutschland und in deutlich geringerem Ausmaß das Ausland.

Ein Erfolg bei Kleinanlegern ist wichtig, um den Druck auf die institutionellen Investoren zu erhöhen, ebenfalls in großem Umfang bei der Emission mitzumachen. Banker gehen davon aus, daß bei der jetzigen Kapitalerhöhung deutlich über 50 Prozent der neuen T-Aktien bei privaten Investoren plaziert werden. Großanleger, die befürchten, bei der Emission zu kurz zu kommen, haben in den jüngsten Tagen offensichtlich massiv T-Aktien an der Börse gekauft, was den Kurs am Mittwoch auf mehr als 42 Euro trieb. Sommer wies die Kritik an der Kursobergrenze von 45 Euro für die neue T-Aktie zurück. Der Preis sei keineswegs überzogen. "Dies ist eine Maximalzahl, keine Orientierungsgröße." Sommer reagierte damit auf Kritik unter anderem der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Diese hatte einen Kurs von 45 Euro als zu hoch bezeichnet und geraten, nur mit einem Kurslimit von etwa 40 Euro zu zeichnen.

Nach Angaben der Telekom war die Resonanz der Mitarbeiter auf die Kapitalerhöhung positiv. Rund 105 000 Beschäftigte, und damit die Hälfte der Berechtigten, haben neue T-Aktien gezeichnet, insgesamt 5,5 Mill. Aktien, berichtete Sommer. Das durchschnittliche Investment pro Mitarbeiter liege bei 41 Euro und damit höher als beim ersten Börsengang. Die Zeichnungsfrist des Mitarbeiterbeteiligungs-Programms endete am 4. Juni.

Offen läßt der Konzernchef aber noch immer, wofür die Milliarden, die dem Unternehmen zufließen werden, konkret verwendet werden. "Wir wollen die nächste Phase der Globalisierung in Angriff nehmen", versicherte Sommer. "Unsere Alternativen sind vielfältig." Die Telekom strebe dabei Merheitsübernahmen und Fusionen an. Im Mobilfunk wolle die Telekom in ganz Europa expandieren. Mehrheitsbeteiligungen würden aber nur dann eingegangen, wenn Preis, Management und Qualität stimmen würden. Das Internet-Geschäft mit T-Online will Sommer weltweit ausbauen.

Eine kräftige Preiserhöhung plant die Telekom unterdessen für ihre Wettbewerber auf dem deutschen Telefonmarkt. Besonders erfolgreich sind die jungen privaten Firmen in dem Bereich Call-by-Call. Für 17 Anbieter übernimmt der Ex-Monopolist das Inkasso. Dafür zahlen die Wettbewerber bisher 4,5 Prozent des Rechnungspreises und 0,7 Pfennig pro Gespräch. "Wir haben die Verträge gekündigt", sagte Telekom-Pressesprecher Frank Domagalla dem Tagesspiegel. "Über die Gründe und den Inhalt der Verträge diskutieren wir nicht öffentlich."

Inzwischen hat die Telekom neue Vertragsentwürfe verschickt, worin sie eine Mindestgebühr von 0,80 DM verlangt, sollten die 4,5 Prozent des Rechnungsbetrages unter diesem Wert liegen. Sollte sich die Telekom mit ihren Forderungen durchsetzen, dann sei das eine Katastrophe für die privaten Anbieter, sagt Jürgen Grützner vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwegdiensten (VATM). "Das bringt enorme Mehrkosten für Wettbewerber und die Kunden." Eine Gebühr von 80 Pfennig würde schon dann anfallen, wenn ein Kunde nur ein Gespräch für wenige Pfennig im Monat über einen Anbieter führen würde. Die günstigen Call-by-Call-Tarife seien dann nicht zu halten, "ein interessanter Markt fällt weg". Den letzten Gesprächstermin einiger Telefongesellschaften mit der Telekom habe der Ex-Monopolist platzen lassen. Jetzt werde man die Regulierungsbehörde um Hilfe bitten.

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