Wirtschaft : Ron Sommer will Telefonieren billiger machen

Telekom senkt im Januar Preise um 5 Prozent / Postministerium wegen Netzgebühren verklagt / T-Aktie bricht ein

BONN (dpa).Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Ron Sommer hat am Donnerstag seine Ankündigung bekräftigt, die Telefonkosten für Telekom-Kunden ab Frühjahr 1998 um etwa fünf Prozent zu senken."Je länger und je weiter man telefoniert, desto stärker wird der Preis sinken", erklärte Sommer.Verlautbarungen von Konkurrenten, sie wollten die Telekom-Tarife ab 1998 um bis zu 20 Prozent unterbieten, nehme er nicht besonders ernst, sagte Sommer bei der Präsentation der Halbjahres-Bilanz der Telekom in Bonn. Gut 100 Tage vor der vollständigen Öffnung des deutschen Telekommunikationsmarktes richtete Sommer scharfe Vorwürfe gegen das Bundespostministerium.Mit seiner Entscheidung über die sogenannten Interconnection-Tarife habe sich Minister Bötsch "ausschließlich an den Wünschen der Mitbewerber orientiert".Diese wollten nicht nur Kunden über das Netz der Telekom anschließen, sondern "eine Enteignung der Leitungen insgesamt erreichen", sagte Sommer.Die Bötsch-Entscheidung müsse gerichtlich überprüft werden.Der Streit solle aber nicht auf dem Rücken der Telefonkunden ausgetragen werden.Sie müßten keine höheren Anschlußgebühren befürchten. Bötsch hatte Ende vergangener Woche entschieden, daß die Telekom von Konkurrenzunternehmen für die Leitung von Gesprächen durch ihr Netz nur 2,7 Pfennige pro Minute verlangen darf.Gefordert hatte die Telekom sechs Pfennige.Bötsch war von der Telefongesellschaft Mannesmann Acor angerufen worden, die sich mit der Telekom nicht über einen Preis einigen konnte.Die neuen Telefongesellschaften müssen ihre Netze mit dem der Telekom zusammenschalten, um ab 1998 Kunden des Noch-Monopolisten anschließen zu können.Der Postminister erklärte am Donnerstag, er überprüfe zudem das Vorhaben der Telekom, die Preise für die Nutzung des Fernsehkabel-Netzes um bis zu 27 Prozent anzuheben."Eine Prüfung ist bereits eingeleitet, aber ich kann noch keine Aussage zum Ergebnis machen", sagte er der ARD. Ansonsten hat die Telekom ihre ehrgeizigen Wachstumsziele für die erste Hälfte dieses Jahres erreicht und peilt auch für die kommenden Monate kräftige Umsatz- und Gewinnsprünge an.Bis Ende Juni habe Europas größter Telekommunikationskonzern seinen Überschuß auf knapp 1,65 Mrd.DM vervielfacht, sagte Vorstandschef Ron Sommer am Donnerstag bei der Vorstellung des Halbjahresberichts in Bonn.Das sind nur 100 Mill.DM weniger als der Reingewinn des gesamten Jahres 1996. Die Börse reagierte dennoch enttäuscht: In Frankfurt rutschte der Kurs der Telekom-Aktie von 34,99 auf 32,90 DM und damit unter die erste Schlußnotierung nach dem Börsengang im November 1996.Das Zwischenergebnis bewege sich nur "am unteren Rand der Erwartungen", begründeten Analysten die Entwicklung.Den Aktionären stellte Sommer erneut eine Verdopplung ihrer Dividende in Aussicht. Die Konzernumsätze der Telekom stiegen in der ersten Jahreshälfte um 7,3 Prozent auf rund 32,9 Mrd.DM.Vor Steuern weist das Unternehmen einen Gewinn von 3,6 (Vorjahr: 0,9) Mrd.DM aus.Nach den Worten Sommers wurde das Wachstum vor allem durch den Telefonverkehr, den Mobilfunk und die Datenkommunikation getragen.Besonders rasant entwickle sich das volldigitale ISDN-Netz, das von Januar bis August um gut eine Million auf 6,3 Mill.Kanäle zugelegt habe.Einen Rekordzuwachs erlebe auch der Datendienst T-Online, über den inzwischen 1,6 (1,1) Millionen Kunden per Computer ins Internet gelangen können.Die Mitarbeiterzahl der Telekom verringerte sich um 11 735 auf 198 961 und damit schneller als geplant.

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