Wirtschaft : Ron Sommers bitterste Niederlage ist Olivettis großer Triumph

KATHARINA VOSS

Für Ron Sommer ist es die bitterste Niederlage, die er als Chef der Deutschen Telekom einstecken mußte.Nachdem der Olivetti-Konzern am vergangenen Freitag erklärt hatte, er werde das Kaufangebot der Telecom-Italia-Aktionäre annehmen, ist der italienische Traum für des deutschen Telekom-Chefs geplatzt.

Zwar sagt Sommer tapfer, daß die industrielle Logik des Zusammenschlusses für ihn weiterhin zwingend sei.Und auch Olivetti-Chef Roberto Colaninno hat angekündigt, er werde weiter mit den Deutschen im Gespräch bleiben.Trotzdem stehen die Chancen für Sommer schlecht, als Anteilseigner in Italien zu reüssieren: Für den italienischen Kommunikationsstaatssekretär Michele Lauria ist die geplante Fusion von Telecom Italia und Deutscher Telekom jetzt noch unwahrscheinlicher geworden.

Ohne die Zustimmung der italienischen Regierung aber wird aus dem Deal, den Sommer mit Telecom-Italia-Chef Franco Bernabe einfädelte, nichts: Nur sie kann bei der Telecom Italia unternehmensrelevante strategische Entscheidungen blockieren.Der Telekom-Chef muß sich aller Voraussicht nach von der Vision eines italienisch-deutschen Konzerns mit einem Umsatz von rund 100 Mrd.DM und 300 000 Angestellten verabschieden.

Noch schlimmer: Der Olivetti-Coup führt auch dazu, daß Mannesmann-Chef Joachim Funk, bislang Sommers schärfster Konkurrent auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt, ihm jetzt auch im internationalen Geschäft stärker auf die Pelle rückt: Denn um das Geld für die Übernahme der Telecom Italia zusammen zu bekommen, verkauft Olivetti-Chef Roberto Colaninno die Anteile an der italienischen Festnetzgesellschaft Infostrada und an dem Mobilfunkbetreiber Omnitel für knapp 15 Mrd.DM an den Mannesmann-Konzern.

Die ehrgeizigen Pläne von Mannesmann, aus der bisher vor allem national agierenden Tochter Mannesmann Arcor eine europäische Gesellschaft zu formen, dürften Sommer weiter zusetzen.Schon hat Mannesmann weitere Pläne für internationale Unternehmenszukäufe angekündigt.Nach der überraschenden Übernahme der Düsseldorfer Telefongesellschaft Otelo vor einigen Monaten gelang es Mannesmann-Chef Funk damit zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit, seine Position als wichtigster deutscher Widersacher der Telekom zu stärken.

Ron Sommer steht dagegen nicht nur ohne Partner da, er hat auch seine Aktionäre verärgert.Denen hatte er nämlich den geplanten zweiten Börsengang der Telekom mit internationalen Ambitionen schmackhaft machen wollen.Dabei galt der 50jährige Manager vor wenigen Jahren noch als Aktionärs-Liebling.Der Mathematiker, der bereits mit 21 Jahren promovierte, kam 1995 nach einer internationalen Karriere zur Telekom.Er galt als Hoffnungsträger, der den unbeweglichen Staatsbetrieb privatisieren und wettbewerbsfähig machen sollte.Mit dem ersten Börsengang der Telekom hatte er die deutschen Kleinaktionäre für die Aktie als Anlage begeistert: Die Einführung der Telekom-Aktie galt als Beginn einer neuen Kultur für Volksaktien in Deutschland.

Sommers italienisches Abenteuer war allerdings an der Börse von Anfang an mit Skepsis verfolgt worden: Nach Ankündigung der Telecom Italia-Anteile war die Telekom-Aktie im Kurs gesunken.Nach dem Olivetti-Erfolg wirft die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) Sommer jetzt vor, das Unternehmen blamiert zu haben."Die Telekom hat an Image und Glaubwürdigkeit verloren", sagte die stellvertretende SdK-Vorsitzende Anneliese Hieke in einem Interview mit dem Saarländischen Rundfunk, "die Telekom hätte besser ihre Position auf dem US-Markt ausbauen sollen".

Auch die Verbindung mit France Telekom hat gelitten.Die Franzosen, mit denen die Deutschen über eine zweiprozentige gegenseitige Beteiligung verbunden sind, sind verärgert über den Sommers Alleingang.Ob sich das Verhältnis wieder kitten läßt, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.Zudem dürfte sich die Verärgerung der Franzosen auch negativ auf den Dreierbund "Global One", auswirken, den Franzosen und Deutsche mit dem drittgrößten Festnetzbetreiber der USA, Sprint, gegründet haben.Schon jetzt wirft "Global One" keine Gewinne ab.Positive Nachrichten aus dieser Allianz für die Aktionäre erwartet Sommer frühestens für das Jahr 2001.

Nach dem mißglückten Telecom Italia-Geschäft muß sich Sommer jetzt darauf einrichten, den Aufstieg in die Weltspitze auch ohne italienischen Partner zu schaffen.Zentrale Bedeutung wird für ihn dabei der für Juni angekündigte zweite Börsengang der Telekom haben.Er soll dem Unternehmen bis zu 20 Mrd.DM frisches Geld für internationale Beteiligungen in die Kasse bringen.Welche das sein könnten, darüber wird schon seit Wochen spekuliert.Einer der heißesten Kandidaten: Der britische Mobilfunkanbieter One 2 One.

Sommers Widersacher Joachim Funk scheint dagegen nicht nur auf dem deutschen Markt, sondern auch im internationalen Geschäft eine glücklichere Hand zu haben.Der 63jährige Berliner hat bereits eine 37jährige Karriere bei Mannesmann hinter sich.Er trat gleich nach seinem Betriebswirtschaftsstudium in den Konzern ein, dessen Vorstandsvorsitzender er seit 1994 ist.Anders als der charismatische, aber bisweilen arrogant und unnahbar auftretende Sommer, gilt er als ausgeglichen, teamfähig und offen.In dieser Woche, am 28.Mai, soll er auf der Hauptversammlung als Aufsichtsratsmitglied des Unternehmens vorgeschlagen werden.Funke hat als als Vorstandsmitglied aktiv den Umbau des ehemaligen Stahl- und Röhrenkonzerns gefördert und gezielt den Ausbau der Telekommunikation- und der Fahrzeugsparte betrieben.

Mit Erfolg: Im D2-Netz nimmt Mannesmann die Spitzenposition der deutschen Mobilfunkanbieter vor dem D1-Netz der Telekom ein.Mitte 1996 konnte Mannesmann eine Beteiligung am Festnetz der Deutschen Bahn, dem größten deutschen Festnetz nach dem der Telekom übernehmen.1998 waren im Mobilfunknetz D2 bereits mehr als vier Millionen Kunden angemeldet.Über Deutschland hinaus gelang es Funk, sich mit Beteiligungen den Einstieg in den französischen, italienischen und den österreichischen Telekommunikationsmarkt zu sichern.Auch in den USA hatte er Erfolg: 1996 vereinbarte er eine strategische Allianz mit dem US-Konzern AT&T.

Mit dem Olivetti-Coup konnten sich die Mannesmänner jetzt die Mehrheit an Omnitel sichern.Daß sich Funke mit dem bislang erreichten nicht zufrieden geben wird, zeigt nicht zuletzt seine Finanzpolitik: Um ein "gewollt hohes Wachstum" sicher zu stellen, gab Mannesmann im Juni 1998 neue Aktien aus, die drei Mrd.DM in die Kasse brachten.

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