Wirtschaft : Ron Sommers neue Mission in Moskau

Beraterjob für den Ex-Chef der Deutschen Telekom – Ein russisches Unternehmen sucht Kompetenz aus aller Welt

Elke Windisch

Moskau. Ron Sommer hat eine neue Aufgabe. In Moskau. Der ehemalige Chef der Deutschen Telekom wird künftig einem Beratergremium bei der russischen Finanzgruppe AFK Sistema vorsitzen. Doch Sommer wird wohl seinen Wohnsitz nicht von Köln in den feinen Moskauer Nordwesten verlegen. Man freue sich stets, Herrn Sommer in Moskau zu sehen, heißt es in der Pressestelle von AFK Sistema. Ein Umzug sei jedoch nicht erforderlich, denn Sommer werde nicht beim Konzern selbst tätig, sondern lediglich in einem „konsultativen Beirat“. Der trat vergangene Woche erstmals zusammen und ist hochkarätig besetzt: Neben Sommer hat Konzernchef Wladimir Jewtschenkow auch den langjährigen RWE-Chef Dietmar Kuhnt verpflichtet.

Das Gremium soll das Unternehmen bei der Bestimmung seiner strategischen Prioritäten beraten. Unter dem Dach der Moskauer Holding AFK Sistema haben seit der Gründung 1993 mehr als 100 Firmen aus den Bereichen Mikroelektronik, Telekommunikation, Versicherungen, Immobilien, Medien und Tourismus bis hin zu Erdöl Unterschlupf gefunden. Die Holding machte im Juli 1999 im Vorfeld des letzten russischen Wahlkampfs Negativschlagzeilen: Der Konzern, so der Tenor der russischen Presse, sei nur das legale Aushängeschild für Sistema-2 – einem geheimnisumwitterten Mischkonzern, mit dem Moskaus Oberbürgermeister Jurij Luschkow, damals Bewerber für die Jelzin-Nachfolge, seine Wahlkampfkasse füllte.

Der Mutterkonzern AFK hielt schon damals Mehrheitsbeteiligungen zum Beispiel am größten Moskauer Mobilfunkbetreiber MTS (an dem auch die Deutsche Telekom beteiligt ist) und am ehemaligen staatlichen Touristik-Monopolisten Intourist. Sie brachten – während die Konkurrenz noch an den Folgen des Finanzcrashs von August 1998 litt – einen geschätzten Jahresgewinn von 230 Millionen Dollar in die Kassen.

Zum Gewinn von Sistema-2, deren Firmen ausschließlich von Vertrauenspersonen Luschkows gegründet wurden, liegen bis heute keine Bilanzen vor. Dafür aber Hinweise auf illegale Waffengeschäfte. Mit Namen und Adresse will allerdings keiner der Informanten zitiert werden.

Jedes russische Unternehmen, so teilt AFK Sistema mit, dass sich „ernstlich über seine Zukunft Gedanken macht, müsse sich als global player positionieren.“ Dabei setze man bewusst auf Synergieeffekte, wie sie nur von Managern kommen können, die sich an höchst unterschiedlichen Positionen dem globalen Wettbewerb stellten. Dass in Ron Sommers Amtszeit große Teile des Kapitals von Millionen Telekom-Aktionären vernichtet wurde, ficht die Russen nicht an: Das habe sicherlich nichts mit den persönlichen Qualitäten des Managers zu tun, sagte eine Sprecherin dem Tagesspiegel. Auch in Russland ist es üblich, ausgeschiedene Vorstandschefs mit lukrativen Beraterposten zu bedenken. Wie der Posten dotiert ist, darüber wollte AFK Sistema jedoch keine Angaben machen.

Weitere Mitglieder des Gremiums sind unter anderen der Chef des einflussreichsten russischen Unternehmerverbandes, Arkadij Wolskij und Russlands Ex-Premier Jewgenij Primakow. Ihre Mitarbeit sagten auch der Vorstandschef von Coca Cola, Douglas Daft, sowie der ehemalige Unesco-Generaldirektor, Federico Mayor, zu. Mit jedem Kandidaten werde Sommer „persönliche Konsultationen“ führen, hieß es.

Sommer gehe „der Ruf eines sehr erfahrenen Konzernchefs“ voraus, der die Telekom über lange Zeit erfolgreich führte. „Wir glauben, das er über einmalige Erfahrung auf dem Gebiet der Telekommunikation und der Planung von globalen Geschäften verfügt“, teilte AFK Sistema mit. Und Sommer geht seine neue Mission mit einer gehörigen Portion Optimismus an: Er glaube, so zitiert ihn AFK Sistema, dass Russland über alle notwendigen Ressourcen verfügt, um seine Wirtschaft in kürzester Frist umzubauen. Ein Vorhaben allerdings, an dem bereits mehrere Premiers und anderthalb Präsidenten gescheitert sind.

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