Wirtschaft : Rostock hofft auf Airbus-Montage

Als einer der Produktionsstandorte des neuen Großraum-Flugzeugs im Gespräch BERLIN/HAMBURG (dr/dpa).In Rostock keimt eine vage Hoffnung.Die Hansestadt an der Ostsee gehört zu den Orten, die von der europäischen Airbus-Industrie als Endmontagestätte für den geplanten doppelstöckigen Super-Airbus "A3XX" in Aussicht genommen worden ist. Genährt wurde die Hoffnung, durch Äußerungen, die Gerard Blanc, Vizepräsident des französischen Airbus-Partners Aerospatiale, am Donnerstag abend vor Mitgliedern des deutschen Luftfahrt-Presse-Clubs in Toulouse machte.Blanc sprach von St.Nazaire in Frankreich, dem spanischen Sevillia, Hamburg und Rostock - und natürlich der Airbus-Zentrum in Toulouse. Bei der Daimler-Benz Aerospace (Dasa) in München will man nur die ins Auge gefaßten Standorte bestätigen.Verweist im übrigen aber darauf, daß die endgültige Entscheidung zum Bau des Flugzeug erst 1999 fallen soll.1998 wird das Projekt den Fluggesellschaften offziell angeboten.Im Jahre 2003 oder 2004 könnte die erste "A3XX" in die Luft gehen, so Rolf Brand, Sprecher der Dasa in Hamburg. Die Zurückhaltung kommt nicht von ungefähr, denn noch steht die Airbus Industrie unter starkem politischen Einfluß.Das könnte sich ändern, wenn das Unternehmen, wie geplant, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden ist, dann könnte ein autarkes Management rein nach Kostengesichtspunkten entscheiden, und dann steht Rostock nicht schlecht da: Die Hafenstadt könnte gut mit den logistischen Herausforderungen fertig werden.Die Flugzeugteile, die in der Endmontage zusammengebaut werden müssen, sind so groß, daß ihr Transport praktisch nur auf dem Seeweg möglich ist.Selbst in das riesige Transportflugzeug von Airbus, die "Beluga", passen sie nicht hinein.Damit dürfte Toulouse aus dem Rennen sein.Auch Hamburg könnte Probleme bekommen.Der Platz auf Finkenwerder, wo derzeit die Airbusse "A319" und "A321" montiert werden, wird knapp.Bleiben das französische St.Nazaire mit seinem Atlantikhafen und eben Rostock.Entscheiden sich die Planer für die ostdeutsche Stadt, könnten sie höhere Fördermittel aus den Strukturfonds der EU hoffen.Das neue Flugzeug wird voraussichtlich doppelstöckig sein, eine Spannweite von über 79 Metern und eine Länge von über 71 Metern haben.Es wird in der Standardausführung etwa 550 Passagiere, in der größten Version an die 1000 Menschen befördern können.Seine Entwicklungskosten werden auf 8 Mrd.Dollar bis 12 Mrd.Dollar geschätzt. Rostock könnte die neuen Arbeitsplätze dringend gebrauchen, liegt die Arbeitslosigkeit in der Stadt derzeit doch bei 19,7 Prozent im Umland sogar leicht darüber.Und Arbeitsplätze schafft das Projekt zweifelsohne.Bereits jetzt sind 400 Menschen in Toulouse damit beschäftigt.Mehr als 1000 sollen es noch in der Entwicklungsphase werden.So ist man in der Hansestadt bereits aktiv geworden.Beim Amt für Wirtschaftsförderung beginnt man die Vorteile der Stadt aufzulisten.Der Leiter, Günther Hartwig, verweist darauf, daß Rostock in Warnemünde bis 1945 die Heinkel-Flugzeugwerke bestanden und Rostock deshalb eine Tradition als Stadt der Flugzeugbauer habe."Außerdem haben wir hochmotivierte Facharbeiter, hochqualifizierte Ingenieure, eine Ingenieurwissenschaftliche Fakultät und nicht zuletzt ein Max-Planck-Institut", so Hartwig, der im übrigen darauf verweist, daß auch die Hafenkapazitäten ausreichen und genügend Platz für ein neues Werk vorhanden seien. Im Wirtschaftsministerium in Schwerin hält man sich noch bedeckt, will nicht riskieren, womöglich einer Luftblase aufzusitzen.Aber inoffiziell bekundet man natürlich großes Interesse, und ist sich auch sicher, daß das Land Fördergelder bereitstellen kann.Eine nicht ganz unwichtige "Entscheidungshilfe" für Airbus, können doch 50 Prozent der Investitionssumme bezuschußt werden.Aus Brüssel ist eher Wohlwollen zu erwarten.Bei Investitionen auf der grünen Wiese hat sich die Kommission bisher sehr großzügig verhalten.

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