Wirtschaft : Rot-Grün will höhere Bahnpreise verhindern

Konzern prüft Aufschlag von 3,5 Prozent wegen hoher Energiekosten/Fahrgastverband kritisiert Pläne und fordert besseren Service

Bernd Hops

Berlin - Die Pläne der Deutschen Bahn, ihre Ticketpreise anzuheben, werden immer konkreter. Der Konzernvorstand bereite für Dezember eine Tariferhöhung im Fernverkehr von durchschnittlich 3,5 Prozent vor, sagte Albert Schmidt, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, dem Tagesspiegel am Donnerstag. Die Bahn wollte die Zahl allerdings nicht bestätigen. Eine Entscheidung über Preissteigerungen sei noch nicht gefallen. Es seien vom Vorstand lediglich Prüfaufträge vergeben worden. Schmidt sagte, eine Erhöhung der Tarife wäre „eine verkehrspolitisch falsche Entscheidung“. Auch Karin Rehbock-Zureich, Bahnexpertin der SPD, sagte: „Da ist die Weiche falsch gestellt. So bekommt man nicht mehr Kunden für die Bahn.“

Bereits vor wenigen Wochen hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn gesagt, der Konzern könne höhere Preise nicht mehr ausschließen, obwohl die erst im vergangenen April angehoben worden waren. Grund seien die drastisch gestiegenen Energiekosten – sowohl beim Strom als auch bei Diesel. Noch versuche der Konzern, die Steigerungen etwa durch Energiesparmaßnahmen abzufedern. Dieses Potenzial ist nun offenbar ausgeschöpft.

Außerdem steht Mehdorn stark unter Druck, ab diesem Jahr schwarze Zahlen vorzulegen. Sonst wird die Bundesregierung einem Börsengang der Bahn – wie ihn Mehdorn schon für das Jahr 2006 anstrebt – nicht zustimmen. Bei Verlusten würde Mehdorns Projekt auf Jahre hinaus verschoben.

„Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Bahn auf Biegen und Brechen eine schwarze Null herauspressen will“, sagte Grünen-Verkehrsexperte Schmidt. Schließlich werde auch bei den Investitionen gespart. Kritik kam auch aus dem Verkehrsministerium. Laut „Süddeutscher Zeitung“ hat Staatssekretär Ralf Nagel in einem Schreiben an Mehdorn beklagt, dass die Bahn auch Ausbauprojekte beim Schienennetz streichen wolle, für die der Bund – trotz der zuletzt stark gekürzten Zuschüsse – Mittel bereitstelle.

Neben Verkehrspolitikern kritisierte auch Karl-Peter Naumann, Vorsitzender des Bahngastverbands Pro Bahn, die mögliche Preiserhöhung. Bei der letzten Anhebung im April hatte er noch Verständnis geäußert. Jetzt sagte er: „Ich kann zwar verstehen, dass man auf die gestiegenen Preise reagieren muss. Es ist bloß die Frage, wie“, sagte Naumann dem Tagesspiegel. 3,5 Prozent seien nicht zu akzeptieren. „Das hat nicht nur etwas mit den Energiepreisen zu tun“, sagte Naumann. Mit Blick auf den von Bahnchef Mehdorn angestrebten Börsengang sei schon „eine Menge Unsinn“ gemacht worden. Außerdem sei die Qualität der Bahn nach wie vor zum Teil schlecht – und dadurch habe sie Fahrgäste verloren. „Wenn die Bahn besser wäre, dann gäbe es mehr Kunden – und nicht die Notwendigkeit zur Preiserhöhung“, sagte Naumann. Beim Ticketverkauf jedenfalls droht eine weitere Qualitätsverschlechterung. Da die Bahn die Provision für Reisebüros, die Fahrkarten verkaufen, kürzen will, erwartet der Deutsche Reisebüro und Reiseveranstalter Verband, dass 1000 Agenturen diesen Dienst einstellen werden.

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