Wirtschaft : Rot statt Grün

Umweltschonende Fahrzeuge allein lösen Verkehrsproblem nicht / Besuch bei Berliner Firmen

Verspäteter Bus. Wirtschaftssenator Harald Wolf steckte im Stau. Foto: Davids/Hübner
Verspäteter Bus. Wirtschaftssenator Harald Wolf steckte im Stau. Foto: Davids/HübnerFoto: DAVIDS

Berlin - Wenn der Berliner Wirtschaftssenator zu einer Rundfahrt zum Thema Mobilität einlädt, bedeutet das zunächst zwei Dinge: 1. Der Senator findet, eine Branche, die im vergangenen Jahr in Berlin 13 Prozent mehr Leute eingestellt hat, verdient seine Aufmerksamkeit. 2. Anfang November gibt er eine Wirtschaftskonferenz zu genau diesem Thema. Wenn er aber dann selbst zu spät kommt, heißt das drittens: Egal wie grün der Antrieb eines Fahrzeugs ist, letztendlich steht es im Stau wie jedes andere auch.

„Es kann nicht die Perspektive sein, immer mehr Autos zu bauen“, sagt Senator Harald Wolf (Die Linke). Er sitzt in einem gelben Bus, angetrieben wird das Fahrzeug mit Wasserstoff. Viele Ampeln unterwegs sind rot, immer wieder muss der Bus halten. Wolf ist unterwegs zu drei Berliner Firmen, deren Produkte Fahrzeuge sicherer und effizienter machen sollen. Alle drei erreicht Wolf mit Verspätung. Grund ist der Verkehr. Was wir brauchen sind intelligente Systeme“, sagt Wolf und nennt öffentliche Verkehrsmittel oder Carsharing. Dazu zählten aber auch moderne Fahrzeuge, am liebsten entwickelt von Berliner Unternehmen. Solche Firmen soll die geplante Agentur für Elektromobilität künftig mit Forschungseinrichtungen zusammenbringen. Netzwerke sollen so entstehen und dadurch gemeinsame Projekte. Eines dieser Unternehmen ist Amovis. Schon jetzt arbeitet die Firma mit der TU Berlin zusammen. Die 38 Mitarbeiter erforschen, wie die Abwärme des Motors wieder für den Antrieb genutzt werden kann. Denn für jeden Euro, den der Fahrer in den Tank steckt, würden 77 Cent ungenutzt durch den Auspuff geblasen, sagt Chef Jörg Hötgen. Wenn die Technologie in Serie geht, könnte sie bei den großen Autoherstellern auf Produkte der anderen Firmen treffen, die Wolf am Montag besuchte: Das Unternehmen Brose stellt in Berlin Kühlerlüftungen her und entwickelt leichtere Autositze und -türen. Die Firma Takata-Petri testet Airbags und Sitzgurte. Die Internationalität der Stadt und die vielen Forschungseinrichtungen hätten die Firmen nach Berlin gelockt, sagt Wolf am Ende. Als er dann geht, nimmt er aber nicht wieder den gelben Bus. Er hat noch einen Termin. Sein Wagen wartet. hoe

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