Wirtschaft : Rote Zahlen und Warnstreik bei Karstadt Handelskonzern will freiwillige Leistungen reduzieren

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Düsseldorf (kwi/clk/brö). Europas größter Warenhaus- und Einzelhandelskonzern Karstadt/Quelle hat in den ersten fünf Monaten des Jahres einen dramatischen Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten. Die Käufer seien nach der Einführung des Euro und wegen der allgemeinen wirtschaftlichen Lage in einen bislang beispiellosen Streik getreten, sagte Konzernchef Wolfgang Urban am Mittwoch in Düsseldorf. Der Konzern will die Krise mit einem Sparprogramm und mit neuen Dienstleistungen bewältigen.

Begleitet wurde die Bilanzpressekonferenz von Warnstreiks der Beschäftigten. Mehrere tausend Beschäftigte legten 189 Kaufhäuser des Unternehmens zeitweilig lahm. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi begründet den Warnstreik mit den laufenden Tarifauseinandersetzungen im Einzelhandel und mit der Entscheidung des Karstadt-Vorstandes, angesichts der dramatischen Situation im deutschen Einzelhandel bisher freiwillig gezahlte Sonderleistungen wie das freiwillige Weihnachtsgeld oder Betriebstreueprämien zurück zu fahren.

Wie Karstadt-Quelle leiden auch andere Einzelhandels-Unternehmen unter dem Käuferstreik. „Alle Warenhaus- und Textilhandels-Konzerne haben derzeit riesige Probleme", sagte Andreas Kaapke, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung in Köln, am Mittwoch dem Tagesspiegel. „Auch der Möbelhandel und andere Verkäufer langlebiger Konsumgüter müssen zum Teil zweistellige Einbußen hinnehmen", berichtete er. Bessern werde sich die Lage erst mit dem Aufschwung im zweiten Halbjahr, „unter dem Strich bleibt aber ein Minus".

Karstadt-Chef Urban wollte für das Jahr 2002 keine Prognose zur weiteren Entwicklung des Unternehmens abgeben. Sollte die schlechte Entwicklung anhalten, müsse möglicherweise die Ergebnisplanung nach unten korrigiert werden, warnte er. Die Aktie des Karstadt-Quelle Konzerns gab nach diesen Warnungen nach und notierte am Nachmittag bei rund 33,50 Euro.

Vor allem das Warenhaus- und das Reisegeschäft der Karstadt-Tochter Thomas Cook sorgten für den Einbruch. Dagegen hielt sich das Versandhandelsgeschäft, das mit einer Werbeaktion zum 75-jährigen Quelle-Jubiläum begleitet wurde, gut. Urban kündigte „neue Aktivitäten und Serviceleistungen" an, die den Karstadt-Quelle-Konzern zu einem integrierten Dienstleistungskonzern machen sollen. Nachdem das Unternehmen bereits mit der US-Kette Starbucks in den Kaffeemarkt vorgedrungen ist, plant Urban nun auch den Einstieg in den Trend Wellness.

Der zweite Teil seiner „Zwei-Phasen-Strategie" besteht in einem Sparprogramm. Karstadt will die freiwilligen Leistungen für die 60000 Beschäftigten in Höhe von 60 Millionen Euro streichen. Dazu zählen das freiwillige Weihnachtsgeld und Treue-Urlaubstage für langjährige Beschäftigte. Nach Auskunft der Gewerkschaft Verdi werden durch die gesamten Kürzungen für jeden Vollzeitbeschäftigten rund 1000 Euro im Jahr wegfallen.

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