Wirtschaft : Rotkäppchen lockt Touristen ins Land

EBERHARD LÖBLICH

Sektkellerei bietet Kabarett-Reihe an / Kooperation mit dem Mitteldeutschen RundfunkVON EBERHARD LÖBLICH FREYBURG."Wir drehen an vielen Rädern", sagt der Geschäftsführer der Rotkäppchen-Sektkellerei in Freyburg/Unstrut, Hans-Jürgen Krieger."Wir verkaufen Sekt und wir verkaufen Tourimus." Letzteres, um ersteres noch besser und in noch größeren Mengen verkaufen zu können. Um die eigene Marke im heiß umkämpften deutschen Sektmarkt noch besser zu plazieren, ist die Kellerei selbst ins Tourismus-Marketing eingestiegen.Über drei Schienen versucht Rotkäppchen nun, die Region Saale/Unstrut und das eigene Produkt besser an den Verbraucher zu bringen."Diese Region mit den Städten Freyburg, Naumburg und Bad Kösen ist ein touristisches Kleinod, ein Kernstück deutscher Kulturgeschichte", weiß Krieger."Man muß das den Leuten nur erst einmal vermitteln." Die Kellerei will insbesondere westdeutsche Touristen in das nördlichste europäische Anbaugebiet für Qualitätswein locken."Denen müssen wir klar machen, daß wir in Ostdeutschland den aufrechten Gang auch schon seit ein paar Tausend Jahren beherrschen und inzwischen auch schon ganz gut mit Messer und Gabel umgehen können", flachst Krieger im Hinblick auf weitverbreitete Vorurteile von Westdeutschen über die Brüder und Schwestern jenseits des einstigen eisernen Vorhangs. Neben einem vielseitigen kulturellen Angebot, durch das auch überregionale Besucher angezogen werden sollen, konzentriert sich die Sektkellerei darauf, Bustouristen ins Saale-Unstrut-Gebiet zu locken."Mit einer Kabarett-Reihe, die wie keine andere einen so breiten Querschnitt durch die gesamte ostdeutsche Kabarett-Szene bietet, wollen wir dagegen insbesondere die Bürger der Region und Besucher, die sich ohnehin hier aufhalten, ansprechen", sagt Krieger.Andere Veranstaltungen zum Beispiel mit Justus Frantz oder Stefanie Hertel, die die Kellerei vielfach in Zusammenarbeit mit dem Mitteldeutschen Rundfunk organisiert, haben dagegen auch schon eine Anziehungskraft über die Region hinaus.Eine Veranstaltung mit internationalem Flair wird in diesem Jahr die "Zauberfee" sein, der Preis für die beste europäische Magierin.Der von Rotkäppchen gestiftete Preis wurde in den vergangenen Jahren nur für den deutschsprachigen Raum ausgeschrieben.In diesem Jahr werden sich erstmals die besten Magierinnen aus ganz Europa um diese Auszeichnung bewerben können."Den mit diesem Preis verbundene Wettbewerb in unserem Lichthof besuchen viele Menschen, die dafür etliche Kilometer Anreise nicht scheuen", sagt Krieger."Schließlich ist er auch ein einzigartiges Festival der Illusionskünstlerinnen." Daß sich um diesen Preis nur weibliche Mitglieder der Magierzunft bewerben können, hält Krieger nur für folgerichtig."Schließlich trägt unser Markenprodukt auch einen weiblichen Markennamen." Die Wahl der deutschen Weinkönigin am 1.Oktober im Lichthof der Kellerei soll als weiteres Highlight ebenfalls Besucher aus ganz Deutschland nach Freyburg locken."Wir haben uns sehr bemüht, zum 1000.Jubiläum des Weinbaus im Saale-Unstrut-Gebiet diese Veranstaltung hierherzuholen und hatten letztlich Erfolg damit", sagt der Kellereichef. Die Erfolge des touristischen Marketing sind für Rotkäppchen bereits spürbar."Natürlich ist bei den Busreisen, die wir in die Region holen, stets auch eine Kellereiführung mit unterschiedlichen Möglichkeiten der Verkostung möglich", sagt Krieger."Das reicht vom Glas Sekt zum Abschluß der Führung bis in zum reichhaltigen Menu mit entsprechendem Sekt- und Weinangebot." Meßbar sei der Erfolg beim kellereieigenen Verkauf."Die Freyburger selbst kaufen sich ihren Rotkäppchen-Sekt nicht unbedingt bei uns, sondern in ihrem Supermarkt, wo sie auch ihre übrigen Einkäufe erledigen", erklärt Krieger."Die steigenden Verkaufszahlen in unserem Laden können wir deshalb ausschließlich auf die Besucher von außerhalb zurückführen." Bislang beteiligte sich die Sektkellerei Rotkäppchen mit ihren eigenen Angeboten über Gemeinschaftsstände an den verschiedenen Fachmessen bis hin zur Internationalen Tourismus Börse (ITB).In Zukunft soll sich das ändern: "Auch dort wollen wir bald selbständiger werden", sagt Krieger. Die touristischen Konzepte sowohl des Regionalen Tourismusverbandes als auch des Landes stehen nach Ansicht Kriegers auf sandigem Boden.Das sehe man zum Beispiel an der Straße der Romanik."Die ist einst mit viel Brimborium eingeweiht worden, und wenn jetzt Besucher zu einer alten Kirche entlang dieser Straße kommen, finden sie oftmals verschlossene Türen vor", meint Krieger."Da vergeht denen doch die Lust." Daß auch in den Tourismusverbänden der Region und des Landes gute Leute beschäftigt sind, will Krieger gar nicht bestreiten."Aber wenn nicht genügend Geld vorhanden ist, dann können auch sehr gute Leute nur begrenzt gut sein." Zudem glaube er, daß touristische Vermarktung des eigenen Produkts durch die Werbung für die Region in Regie der Kellerei besser aufgehoben ist als in den Händen der Tourismusverbände."Die müssen zuviel widerstreitende Interessen unter einen Hut bringen", sagt Krieger. Die Sektkellerei Rotkäppchen verstehe sich durchaus als Bestandteil der Region Saale-Unstrut und des Landes Sachsen-Anhalt, letztendlich aber auch als ostdeutscher Markenartikler.Folgerichtig sieht der jüngste Marketing-Coup der Kellerei über die Grenzen der Region und des Landes hinaus."Wie Könige und Dichter tafelten", heißt ein kulturhistorisch-kulinarischer Reiseführer durch die gesamten ostdeutschen Lande, der jetzt durch die Initiative von Rotkäppchen erschienen ist."Es gibt in diesem Lande faszinierende gastronomische Lokalitäten, in denen bekannte Größen deutscher Geschichte und Kulturgeschichte eingekehrt sind", sagt Krieger. "Wir wollen keine Kochmützen oder Sterne verteilen, sondern Geschichte und Geschichten der verschiedenen Regionen Ostdeutschlands von Rügen bis zum Erzgebirge mit gastronomischen Tips verbinden." Die Redaktion für diesen Reiseführer für Geist und Gaumen hat die Rotköppchen-Kellerei als Herausgeberin eigenständig in Auftrag gegeben, Produktion und Vertrieb übernahm der Schmidt-Verlag in Wernigerode, der schon in den vergangenen Jahren durch aufwendig gestaltete regionale Reisebücher und Bildbände auf sich aufmerksam gemacht hat."Wir wollen damit", so stellt sich Krieger den Effekt des neuen Buches vor, "einfach Appetit auf den Osten machen."

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