• Royal Bank of Scotland stockt offenbar feindliches Übernahmeangebot ihrer Konkurrentin Bank of Scotland auf

Wirtschaft : Royal Bank of Scotland stockt offenbar feindliches Übernahmeangebot ihrer Konkurrentin Bank of Scotland auf

Im Übernahmekampf um den britischen Bankenkonzern National Westminster (NatWest) bereitet die Royal Bank of Scotland offenbar ein milliardenschweres Gegenangebot zur spektakulären Kaufofferte der konkurrierenden Bank of Scotland vor. Mehrere namhafte britische Zeitungen berichteten am Montag übereinstimmend, die Royal Bank of Scotland wolle sich im Gegensatz zur Konkurrentin zuvor mit der NatWest-Führung absprechen und ein "freundliches Gebot" für den Bankenriesen vorlegen. Dieser wollte seinerseits gerade die Versicherungsgruppe Legal and General übernehmen, um aus eigener Kraft zum Allfinanzkonzern aufzusteigen.

Das erwartete Gebot der Royal Bank of Scotland für NatWest dürfte nach Einschätzung von Blättern wie der "Times" oder des "Guardian" bei knapp 39 Milliarden Euro (76,3 Milliarden Mark) liegen. Es überträfe damit das am Freitag überraschend abgegebene und von NatWest umgehend als "feindlich" zurückgewiesene Kaufgebot der Bank of Scotland für die viertgrößte Bank des Landes. Dieses beläuft sich auf 32,5 Milliarden Euro (63,6 Milliarden Mark). NatWest ist mehr als doppelt so groß wie die Bank of Scotland; zusammen stiegen beide Institute zur drittgrößten Finanzgruppe Großbritanniens auf. NatWest wurde an der Börse vor der Offerte mit 17,8 Milliarden Pfund bewertet, was einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,8 entspricht. Die Bank beschäftigt 64 400 Mitarbeiter und verfügt über 1700 Filialen. Der Vorsteuergewinn lag zuletzt bei 2,14 Milliarden Pfund (rund 6,6 Milliarden Mark) Der Aktienkurs hatte sich seit Jahren schwächer als die übrige Branche entwickelt. Am vergangenen Freitag schossen die NatWest-Titel um fast 30 Prozent nach oben. Auch die Aktien der Bank of Scotland legten deutlich zu.

Bankenkreise hatten am Wochenende vermutet, NatWest suche Verbündete zur Abwehr des unerwünschten Übernahmeversuchs durch die Bank of Scotland. Als möglichen "weißen Ritter" bevorzuge NatWest die Hypothekenbanken Halifax oder Abbey National, hieß es. Aber auch Barclays Bank und Lloyds wurden genannt. Eine Allianz mit Halifax oder Abbey Natwest würde zum einen den erforderlichen Schub im Geschäft mit Immobilienfinanzierungen bringen und zum anderen die Stellen im oberen Managements sichern.

Dresdner Bank-Chef Bernhard Walter erklärte am Sonntagabend in Washington, sein Institut werde NatWest nicht als "weißer Ritter" zu Hilfe kommen. Die Strategie der Dresdner Bank bleibe unverändert. Man werde sich zuerst auf Deutschland, dann die Euro-Zone und schließlich auf die USA konzentrieren.

In der britischen Bankenschlacht präsentiert sich das schottische Bankenpaar Royal Bank of Scotland und Bank of Scotland selbstbewusst und expansiv. Die vergleichsweise kleinen Institute aus dem Norden der Insel wollen sich nach Ansicht von Experten nach Süden ausdehnen und aus der anstehenden Konsolidierungswelle möglichst mit eigenem Namen hervorgehen.

Die Bank of Scotland, mit 304 Jahren eines der ältesten Institute des Landes, hat mit ihrer Übernahmeofferte den Coup des Jahres in der britischen Finanzbranche gelandet. Sie verfügt über eine Marktkapitalisierung von knapp 8,9 Milliarden Pfund (27 Milliarden Mark) und beschäftigt 23 000 Mitarbeiter. Das bilanzielle Gesamtvermögen erreicht 60 Milliarden Pfund. Die Bank gilt als vorbildlich geführt. Das Management unter Chief Executive Peter Burt und Chief Operating Officer Gavin Masterton beschreiben Fachleute als verhandlungsstark und einfallsreich. Als erstes britisches Geldhaus setzte die Bank of Scotland das Konzept des "Supermarkt-Banking" um. Sie konnte damit ihre Präsenz außerhalb Schottlands stark erweitern.

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