Wirtschaft : RTL Group geht gegen Liberty in Stellung

vis/mot

Der private TV-Sender RTL und seine Konzernmutter Bertelsmann haben beim Bundeskartellamt vehement Einspruch gegen einen Verkauf des Telekom-Kabelnetzes an den US-Konzern Liberty Media erhoben. Das Kartellamt will am 5. Januar 2002 entscheiden, ob Liberty die letzten noch unverkauften sechs Kabelnetzregionen von der Deutschen Telekom für knapp 10,8 Millionen Mark übernehmen darf. Ein RTL-Sprecher bestätigte am Mittwoch Berichte, wonach der Sender bei der Bonner Wettbewerbsbehörde vorstellig geworden sei, um gegen eine Genehmigung des Geschäftes zu intervenieren. "Wir fürchten um unseren freien Zugang zum größten werbefinanzierten Fernsehmarkt Europas", sagte RTL-Sprecher Markus Payer.

Das Problem: Mit Liberty Media als Kabelnetz-Eigentümer gäbe es in Deutschland zum ersten Mal einen Betreiber, der nicht nur den Transportweg zum Fernsehkunden kontrolliert, sondern auch eigene Inhalte ins Kabel einspeisen könnte. Die Befürchtung der Fernsehsender: Sie werden von Liberty-eigenen Programmen verdrängt oder sind im Kabelangebot nicht mehr auffindbar. "Frei empfangbare Programme, für die bisher nur die Fernsehgebühr bezahlt werden muss, würden künftig zusätzliches Geld kosten", sagt Markus Payer. Er befürchtet, dass RTL mit seinen Beteiligungen Vox, RTL 2 und Super RTL, in Programm- und Sender-Paketen, die von Liberty im Digital-TV geschnürt würden, verschwindet. Das hätte Auswirkungen auf die Reichweite und damit, so Payer, "verändern sich unsere Refinanzierungsmöglichkeiten durch Werbung".

Ähnliche Befürchtungen äußern auch die Landesmedienanstalten. Nach einer Direktorenkonferenz am vergangenen Wochenende teilte die Arbeitsgemeinschaft mit, es sei Liberty nicht vorzuwerfen, dass es eine beherrschende Stellung als Netz-Vermarkter einnehme. Der US-Konzern müsse aber mit der Konkurrenz "chancengleich und diskriminierungsfrei" umgehen und "die eigenen Angebote und Angebote Dritter nach denselben Regeln einspeisen".

Die Deutsche Telekom - und damit auch die Bundesregierung als Großaktionär - muss das aggressive Auftreten von Liberty-Chef John Malone mit Sorge betrachten. Sollte das Kartellamt die Aktivitäten von Malone in Deutschland ebenso wie die deutschen Fernsehsender missbilligen, dann könnte der Verkauf des Kabelnetzes an Liberty noch platzen. Malone hat sich im Vertrag zusichern lassen, dass er unter bestimmten Bedingungen - etwa strengen Auflagen der Wettbewerbshüter - vom Kauf zurücktreten kann.

Malone macht den Wettbewerbshütern die Zustimmung jedoch nicht leicht. Erst in der vergangenen Woche hat er ein weiteres Geschäft eingeleitet, über das das Kartellamt zu befinden haben. Er möchte von der Deutschen Bank rund zwei Drittel an der deutschen Kabelgesellschaft Telecolumbus kaufen. Dieses Geschäft werde auch bei der Beurteilung des Kaufs der Telekom-Kabelnetze berücksichtigt, sagte ein Sprecher des Kartellamtes. Möglich sei, im Einvernehmen mit den Beteiligten die Fristen für die erste Entscheidung zu verlängern, um beide Fälle parallel zu entscheiden. Berücksichtigen wird das Kartellamt auch, dass Malone die in Amsterdam ansässige Kabelgesellschaft UPC kontrolliert. UPC hält in Deutschland Anteile an den Kabelnetzbetreibern ewt/tss (51 Prozent) und Primacom (25 Prozent). Beide Gesellschaften verhandeln über einen Zusammenschluss. In einem Interview hatte Malone am Wochenende deutlich gemacht, dass er beim Zukauf weiterer Kabelnetzbetreiber in Deutschland zu keinem Kompromiss bereit ist. "Wenn dies von den Kartellbehörden untersagt werden sollte, werden wir in Deutschland nicht tätig."

Nach außen demonstriert die Telekom Gelassenheit: Das Unternehmen habe großes Interesse, dass das Geschäft stattfinde, der Deal sei abgeschlossen. Was Malone außerdem unternehme, damit habe die Telekom nichts zu tun, sagte ein Sprecher. Der Verkauf des Kabels ist für die Telekom aber eine wichtige Hilfe beim Abbau ihres Schuldenbergs von 65 Milliarden Euro. Platzt das Geschäft, geriete die T-Aktie erneut unter Druck und die langwierige Suche nach einem neuen Investor müsste erneut beginnen. Investitionen in das marode deutsche Kabelnetz würden sich erneut verzögern.

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