Rückblick : Arbeit für Generationen

In den 1970er Jahren arbeiteten noch 30.000 Angestellte bei Siemens in Berlin - heute sind es noch 12.700. Ein Rückblick auf die Konzern- und Standortgeschichte.

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Seit mehr als 160 Jahren ist Siemens ein Teil von Berlin. Am 12. Oktober 1847 gründete Werner von Siemens in einem Kreuzberger Hinterhof gemeinsam mit dem Universitätsmechaniker Johann Georg Halske die Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske. Die Herstellung und Vermarktung neuer Kommunikationsmittel war lange das Kerngeschäft des schnell wachsenden Unternehmens. Dank Siemens entwickelte sich Berlin Ende des 19. Jahrhunderts zum Zentrum der deutschen Elektroindustrie. Im Jahr 1902 hatte Siemens bereits 11.500Mitarbeiter in Berlin. 1913 stammte etwa die Hälfte der Erzeugnisse der Elektroindustrie aus Deutschland, wobei wiederum die Hälfte davon von Siemens gefertigt wurde – und dies im Wesentlichen in Berlin. 1914 zählte Siemensstadt bereits 7000 Einwohner. Weitere 23.000Mitarbeiter waren in den Fabriken und der Verwaltung beschäftigt. Bis zum Ersten Weltkrieg stieg die Belegschaft – auch durch die Umstellung auf Rüstungserzeugnisse – auf 40.000 an. 1936 arbeiteten fast die Hälfte aller in der deutschen Elektroindustrie Beschäftigten in Berlin. Allein Siemens hatte 60.000 Mitarbeiter in Berlin. 1939 begann das Unternehmen, Produktion aus der Stadt auszulagern, weil Arbeitskräfte knapp wurden. Während des Zweiten Weltkrieges mussten auch wegen der Luftangriffe immer mehr Fabriken verlegt werden. Nach dem Krieg wurde die Produktion mit 14.000 Mitarbeitern wieder aufgenommen. Wegen der unsicheren Zukunft Berlins verlegte der Vorstand zum 1. April 1949 den Hauptsitz von Siemens nach München. Berlin ist bis heute zweiter Firmensitz. Bis 1961 stieg die Zahl der Beschäftigten wieder auf 44.000 an. Mit dem Bau der Mauer verlor Siemens 4300 Mitarbeiter im Osten der Stadt. In den 1970er Jahren lag die Belegschaft noch bei mehr als 30.000. Siemens machte einen deutlichen Strukturwandel durch – Mikroelektronik und Informationstechnik hielten Einzug. Zur Wendezeit arbeiteten noch 26.000 Menschen für den Konzern. Nach dem Mauerfall kaufte Siemens im Osten zu, unter anderem das Bahntechnikwerk in Treptow. Doch nach der Restrukturierung und dem Wegfall der Berlin-Förderung, der viele Arbeitsplätze unrentabel machte, schrumpfte die Belegschaft weiter. Hinzu kam der technische Wandel – die Elektronik ersetzte immer mehr Mechanik, was andere Produktionsstrukturen erforderlich machte. In den 1990er Jahren schrumpfte die Belegschaft von Jahr zu Jahr. „Es wurden eine Menge Sozialpläne geschrieben“, sagt ein früherer Betriebsrat. Nicht alle Arbeitsplätze fielen sofort weg. So ging das Kabelwerk an Pirelli, das Werk für elektronische Komponenten an Tyco, beide sind inzwischen geschlossen. Heute ist Siemens mit rund 12.700 Mitarbeitern der größte industrielle Arbeitgeber der Stadt. Der Anteil der Mitarbeiter in der Produktion ist von ehemals 80 auf weniger als 50 Prozent gesunken. Heute haben bei Siemens in Berlin 60 Prozent der Mitarbeiter einen Hochschulabschluss oder Facharbeiterbrief.

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