RÜCKBLICK : Chronik einer schwarzen Woche

MONTAG

Die Wall Street verliert am 15. September, ihrem „schwarzen Montag“, auf einen Schlag zwei ihrer unabhängigen Investmentbanken. Lehman Brothers muss Insolvenz anmelden, Merrill Lynch wird von der Bank of America aufgekauft. Berichte über eine dramatische Lage beim größten US-Versicherer AIG machen die Runde. Das bringt die Börsen weltweit ins Wanken. Allen voran den US-Leitindex Dow Jones, der den stärksten Tagesverlust seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 erleidet. Zehn Großbanken bilden einen Kreditpool über 70 Milliarden Dollar zur gegenseitigen Unterstützung.



DIENSTAG

Die US-Notenbank rettet AIG mit einem Kredit über 85 Milliarden Dollar und bekommt dafür faktisch die Kontrolle bei dem Versicherer. Die größte US-Investmentbank Goldman Sachs meldet einen Gewinneinbruch von 70 Prozent, ihr letzter verbliebener unabhängiger Konkurrent Morgan Stanley meldet nur einen Rückgang von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Die Notenbanken pumpen Milliarden in den Geldmarkt, um eine Kreditklemme der Banken zu verhindern.



MITTWOCH

Der britische Baufinanzierer HBOS zeichnet sich als nächstes Opfer der Krise ab. Große Teile des Geschäfts und das New Yorker Hauptquartier von Lehman Brothers werden von der britischen Barclays Bank aufgekauft. Die US- Börsenaufsicht verschärft die Regeln für ungedeckte Leerverkäufe, einer besonders aggressiven Methode, um auf fallende Aktienkurse zu wetten. Die Aktie von Morgan Stanley fällt um mehr als 20 Prozent.



DONNERSTAG

HBOS
rettet sich unter das Dach der britischen Großbank Lloyds TSB. In den USA bringt der fallende Aktienkurs Morgan Stanley in Bedrängnis, die Gespräche über eine Fusion mit der Großbank Wachovia beginnen. Als nächster Wackelkandidat gilt die größte US-Sparkasse Washington Mutual. Die US-Regierung arbeitet laut Medienberichten an einem einschneidenden Plan, um die Märkte zur Ruhe zu bringen.



FREITAG

Die US-Regierung kündigt ein umfassendes Rettungspaket für die Finanzbranche an und löst damit ein Kursfeuerwerk an den Börsen aus. Unter anderem will der Staat den Banken faule Kredite abkaufen. Insgesamt will Washington dafür 700 Milliarden Dollar in die Hand nehmen, wie später bekannt wird. Die Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien verhängen ein weitreichendes Verbot für Leerverkäufe (siehe unten). Das Verbot gilt in den USA für knapp 800 Titel der Finanzbranche, in Großbritannien allgemein für Finanzwerte. Inzwischen hat auch die Finanzaufsicht Bafin Leerverkäufe für einige deutsche Finanzwerte bis Ende des Jahres untersagt. dpa

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