Rückblick : Die Geburt der Pille

Eine Frauenrechtlerin finanzierte die Forschung.

Als die Frauenrechtlerin und Industrieerbin Katherine McCormick Anfang der 50er Jahre ihr Geld in die Erforschung eines hormonellen Verhütungsmittels steckte, wusste sie noch nicht, welch weitreichenden Einfluss dies einmal haben würde. Der Biologe Gregory Pincus und der Gynäkologe John Rock von der Harvard Medical School experimentierten gemeinsam mit dem vor den Nazis aus Österreich geflohenen jungen Chemiker Carl Djerassi jahrelang mit den verschiedensten Hormonkombinationen, bis sie die erste Antibabypille erschufen. Zuvor hatte Djerassi es geschafft, ein Sexualhormon, das in der Pille steckt, synthetisch herzustellen. 1957 wurde die Antibabypille von den Behörden in den USA zugelassen – zunächst nur als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden. 1960 kam die erste Antibabypille unter dem Namen „Enovid“, vermarktet von der Firma Searle, auf den Markt. Ein Jahr später konnten sich auch deutsche Frauen die Pille verschreiben lassen.

Die Berliner Schering AG brachte sie in Westdeutschland unter dem Namen „Anovlar“ auf den Markt. In der DDR wurde die Antibabypille unter dem Namen „Ovosiston“ produziert. Doch die Vorbehalte in der (west-)deutschen Gesellschaft gegen das Präparat waren groß: Zu Beginn wurde die Antibabypille nur verheirateten Frauen mit mehreren Kindern verschrieben. Die Angst vor zu viel Freizügigkeit beherrschte die Diskussion, natürlich besonders bei Vertretern der katholischen Kirche.

Heute ist die Pille in Deutschland weit verbreitet. Fast alle Sorten enthalten die beiden weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen, die bei richtiger Einnahme zuverlässig eine Schwangerschaft verhindern. Nach den hoch dosierten Pillen der ersten Stunde kamen Ende der 70er Jahre niedriger dosierte Präparate der zweiten Generation mit dem Gestagen Levonorgestrel auf den Markt, die dritte Generation in den 90er Jahren enthielt die Wirkstoffe Desogestrel oder Gestoden. Die vierte Generation, 2000 von Bayer Schering Pharma auf den Markt gebracht, enthält den derzeit heftig diskutierten Stoff Drospirenon. Neben den Kombinationspräparaten gibt es mittlerweile sehr niedrig dosierte Minipillen. Frauen können heute aber auch mit Pflastern, Implantaten, Spritzen oder dem Vaginalring hormonell verhüten. jmi

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben