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Rückblick : Elektrisiert seit 1882

20.04.2011 14:32 Uhr
Abendliche Szene bei elektrischer Beleuchtung. Holzstich nach einer Zeichnung von E. Thiel, nach 1890.Foto: picture-alliance/akg-images Foto: picture-alliance / akg-imagesBild vergrößern
Abendliche Szene bei elektrischer Beleuchtung. Holzstich nach einer Zeichnung von E. Thiel, nach 1890.Foto: picture-alliance/akg-images - Foto: picture-alliance / akg-images

Die Premiere ging gründlich schief. Am 20. Mai 1882 wurde die erste elektrische Straßenbeleuchtung in Berlin angeknipst. Doch das Licht, das die Laterne in der Kochstraße spendete, war nur Anlass für Hohn und Spott, so schwach war es. Doch nur wenige Monate später am Potsdamer Platz waren diejenigen, die auf Licht aus Strom statt aus Gas setzten, in der Gewinnerposition. Das neue Licht überzeugte. 1888 war der Boulevard Unter den Linden an der Reihe. Und so ging es immer weiter. Ab 1906 war der stetige Siegeszug dann dank der Erfindung der Glühbirne mit dem charakteristischen Glühdraht – zunächst aus Osmium, dann Wolfram –, wie wir sie heute noch kennen, gar nicht mehr aufzuhalten.

Berlin wurde zur Hauptstadt des Lichts mit seinen Leuchtreklamen, die von den Glühlampen erhellt wurden. 1919 bündelten die wichtigsten Hersteller – die Auer- Glühlampenwerke, Siemens & Halske und AEG – ihre Aktivitäten in der Osram GmbH, die neben der amerikanischen General Electric zum Global Player in Sachen Licht wurde. Bis heute. Mit einem gewissen Recht könnte man die „Goldenen Zwanziger“ Berlins auch die „Hellen Zwanziger“ nennen. Der Architekt Hugo Häring schwärmte 1928: „Wo nachts keine Lichter brennen, ist finstere Provinz.“ Berlin war das Zentrum der deutschen Glühlampenproduktion, zwischenzeitlich stammten 70 Prozent aller im Land hergestellten Glühlampen aus der Hauptstadt. Von einem Luxusprodukt wurde Strom immer mehr zur alltäglichen Normalität. 1959 wurde auch der letzte Berliner Haushalt von Gasbeleuchtung auf Strom umgestellt. Allerdings büßte die Berliner Lichtindustrie durch die deutsche Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg an Strahlkraft ein. Der Osram-Sitz wurde nach München verlegt. In der ehemaligen Osram-Fabrik an der Warschauer Straße produzierte die DDR noch Glühlampen bis zur Wiedervereinigung. Heute ist dort die Oberbaum-City. Und in Moabit wurden Ende der 80er Jahre ebenfalls aus ehemaligen Produktionsstätten die Osram- Höfe für Handwerker und andere Dienstleister. Produziert wird an anderen Stellen in der Stadt. Zum 130. Jubiläum der ersten elektrischen Straßenlaterne 2012 ist schon die nächste Lichtrevolution im Gange. Künftig strahlen Leuchtdioden (LED) oder andere energiesparende Leuchtmittel ihr Licht auf die Bürger. Die klassische Glühbirne wandert auf Entschluss der Europäischen Union ins Museum. Die Berliner Lichtindustrie macht aber weiter – und setzt schon längst auf LED. hop

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