RÜCKBLICK : Pioniere für Preußens Aufstieg

Viel Rauch, viel Feuer. Borsigs Maschinenbau-Anstalt zu Berlin an der Chausseestraße auf einem Gemälde von 1847. Foto: akg-images
Viel Rauch, viel Feuer. Borsigs Maschinenbau-Anstalt zu Berlin an der Chausseestraße auf einem Gemälde von 1847. Foto: akg-imagesFoto: picture-alliance / akg-images

Feuerland

ist nicht nur eine Inselgruppe in Südamerika. Den Namen Feuerland gab der Volksmund im 19. Jahrhundert auch der Keimzelle der Berliner Industrie nordöstlich des Oranienburger Tores mit ihren zahllosen qualmenden Schloten. Lokomotiven und Waggons gehörten zu den wichtigsten Produkten, die in den Fabriken rund um Invaliden- und Chausseestraße entstanden. Die ersten beiden Lokomotiven, die auf dem europäischen Festland hergestellt wurden, kamen von hier – hergestellt von der seit 1805 tätigen Königlich Preußischen

Eisengießerei.
Ihr folgten bis Mitte des Jahrhunderts Friedrich Adolf Pflug mit seiner Waggonfabrik, Johann Friedrich Ludwig Wöhlert, Louis Victor Robert Schwartzkopff sowie August Borsig, große Namen im Lokomotivbau. Diese Gründer legten den Grundstein dafür, dass Berlin die Geburtsstadt und über Jahrzehnte das Zentrum der deutschen Eisenbahn war. Die erste Strecke in Preußen verband 1838 Zehlendorf und Potsdam, nur drei Jahre, nachdem zwischen Nürnberg und Fürth der allererste Zug in Deutschland gefahren war. Das neue Verkehrsmittel wurde zum Motor der Industrialisierung Preußens. Das Berliner Gleisnetz erreichte 1939 nach dem Bau der Nord-Süd-S-Bahn seine größte Ausdehnung.

Von den Berliner Unternehmen erlangte vor allem Borsig

weltweite Berühmtheit.
Angefangen hatte er 1837 mit einem Auftrag über 116 200 Schrauben für die Eisenbahn – 1854 schon feierte der Betrieb den Bau der 500. Lokomotive. An die 3000 Menschen arbeiteten damals für Borsig. Das Unternehmen verlagerte die Fertigung zunächst nach Alt-Moabit, später nach Tegel. Der Industriegigant war zeitweise der zweitgrößte Lokomotivenhersteller der Welt. Dann aber ging es bergab: 1931 konnte nur die Fusion mit AEG die Pleite abwenden. Ab 1935 wurden Lokomotiven nur noch in Hennigsdorf gebaut. Stand Borsig für Dampflokomotiven, hat

Siemens
in Berlin das Zeitalter der elektrischen Mobilität eingeläutet: 1879 zuckelte die erste praxistaugliche E-Lok des Konzerns mit drei Miniwaggons über die Gewerbeausstellung. Der Zweite Weltkrieg war für die Bahnindustrie wie für viele andere Branchen auch eine Zäsur. Die Rote Armee baute Produktionsanlagen ab, Konzerne verlegten Standorte nach Westdeutschland, und viele Verbindungen wurden gekappt. Das bemerkenswerteste Projekt bis zur Wende war die M-Bahn,

ein innovativer Magnetzug im U-Bahn-Format, der von 1984 und 1991 zwischen Kemperplatz und Gleisdreieck fuhr.

Die Bahnindustrie erholte sich ab 1990 nur langsam von

den teilungsbedingten Einschnitten. brö

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