Wirtschaft : Rückenwind für den Flughafen Schönefeld

Condor-Tochter stellt ihren ersten Airbus in Dienst / Ferien-Carrier startet mit dem Flugbetrieb am 6.März TOULOUSE/BERLIN (mo).Berlin-Schönefeld ist um eine Investition reicher.Rechtzeitig zum neuen Sommerflugplan im April hat die neue Condor-Tochter, die Condor Berlin GmbH, am Dienstag ihren ersten Airbus von Toulouse nach Berlin überführt.Die junge Gesellschaft, die erst seit kurzem im Handelsregister eingetragen ist und offiziell am 6.März ihre Arbeit aufnimmt, geht zunächst mit drei Maschinen des Typs "A 320" an den Start, bis Jahresende folgen drei weitere, Anfang des kommenden Jahres erneut zwei.Darüber hinaus wurde eine Option über 16 zusätzliche Maschinen, so Condor-Geschäftsführer Dietmar Kirchner, mit Airbus Industries unter Dach und Fach gebracht - ein Auftrag von mehreren 100 Mill.DM. Positiv wirkt sich das Engagement des Lufthansa-Enkels (der Tochter der Lufthansa-Tochter Condor) auch auf den regionalen Arbeitsmarkt aus.Gut die Hälfte der vorgesehenen Besatzung ist schon an Bord.Nach und nach sollen in Schönefeld neben der 45köpfigen Zentrale am Boden 60 Kapitäne und Copiloten sowie 150 Flugbegleiter zur Verfügung stehen.Zur Zeit sind noch 75 Stellen für die Kabine und 30 fürs Cockpit zu besetzen.Allerdings übersteigt die Nachfrage nach Arbeitsplätzen das Angebot um das Vielfache. Die Idee, mit einer eigenständigen Gesellschaft im Kurz- und Mittelstreckenbereich aktiv zu werden, entstand vor eineinhalb Jahren."Wir wollten den wachsenden Markt nicht anderen überlassen", erklärte Condor-Manager Kirchner und erinnert an die Wende, die auch der Lufthansa-Tochter Condor kräftigen Auftrieb bescherte. Gut 20 Prozent des gesamten Condor-Geschäftes entfällt inzwischen auf die neuen Länder.Verständlich, daß man im Osten Deutschlands ein Zeichen setzen wollte.Nach zähem Ringen konnte sich Berlin - genau genommen müßte man sagen Brandenburg - gegen Leipzig (auch Köln hatte sich überdies interessiert) als geeigneter Standort durchsetzen. Die Neugründung des Ferien-Carriers war dann die Antwort auf die Suche nach einer günstigen Alternative zum klassischen Repertoire.Abgesehen vom Cockpit-Personal, das zu Lufthansa-Konditionen beschäftigt wird, werden die Flugbegleiter zu relativ niedrigen Gehältern - Einstiegslohn bei rund 2000 DM brutto - eingestellt.Allerdings ist man bei Condor Berlin stolz darauf, den allesamt jungen Bewerberinnen und Bewerbern mit zwölf Wochen eine vergleichsweise lange Einarbeitungszeit anbieten zu können.Außerdem sollen die Mitarbeiter von Condor Berlin am Erfolg beteiligt werden.Weitgehende Mitsprache soll auch bei der individuellen Stundenzahl möglich sein. Von einer "Condor light Version" freilich soll keine Rede sein.Nur neun bis zehn Prozent der Condorkosten, gibt Condor-Geschäftsführer Rudolf von Oertzen zu bedenken, entfallen auf das Personal.Von Oertzen, in der Condor-Geschäftsführung für Flugbetrieb und Personal zuständig und Aufsichtsratsvorsitzender der neuen Berlin-Tochter, räumt aber ein: "Mit Condor Berlin sparen wir im Schnitt 20 Prozent." Kleinere Gesellschaften sind beweglicher, heißt die Erklärung. Bisher hatte die Lufthansa-Tochter Condor Flugdienst GmbH Kurz- und Mittelstrecken durch die Germania-Fluggesellschaft bedienen lassen, die dafür 144sitzige Boeing-Maschinen zur Verfügung stellte.Jetzt werden dafür die eigenen und etwas größeren "A 320"-Maschinen mit 174 Sitzplätzen von Airbus eingesetzt, die unter der Marke Condor für verschiedene Reiseveranstalter unterwegs sein sollen.Als Alternative zum "A 320" hatte sich auch die Boeing "737" angeboten.Doch am Ende stimmte bei Airbus der Preis für das Gesamtpaket, das unter anderem Wartung und Schulung enthält.45 Mill.Dollar kostet allein ein "A 320".Finanziert wird die Flotte im Leasing-Verfahren, wobei Condor Berlin auf die konzerneigene Leasing-Gesellschaft von Lufthansa zurückgreift.Condor-Manager Kirchner, der den Deal mit Airbus abgewickelt hat, ist sicher, daß die Rechnung aufgeht.Auch für Berlin Schönefeld.Kirchner: "Wir haben uns jede Menge vorgenommen."

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