Wirtschaft : Rückfall in den Kolonialismus

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Die Verteufelung von GenLebensmitteln hat für die Bevölkerung der Industrieländer Konsequenzen: Sie müssen höhere Preise im Supermarkt zahlen. Für Entwicklungsländer hat die Bedenkenträgerei der Gen-Kritiker aber sehr viel unheilvollere Folgen.

Das wird am Beispiel Angola sehr deutlich: Das Land hat kürzlich beschlossen, die Einfuhr von gentechnisch verändertem Getreide zu untersagen. Und das, obwohl es damit nach Expertenmeinung die Lebensmittelversorgung von insgesamt 1,9 Millionen hungernder Angolaner gefährdet.

Gerade erst kommt das Land nach einem 27 Jahre währenden Bürgerkrieg langsam wieder auf die Beine. Zehntausende von Flüchtlingen kehren in ihre Heimat zurück, und rund ein Fünftel der Bevölkerung ist auf das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen angewiesen. Ein Großteil der Sachspenden, nämlich 77 Prozent des Getreides, kam bisher aus den Vereinigten Staaten. Das ist nun Vergangenheit, weil heute in den USA gentechnisch verändertes Saatgut Standard ist.

Es ist auf den ersten Blick unbegreiflich, dass die angolanische Regierung dem eigenen Volk gegenüber derart herzlos handeln kann. Und doch liegt auf der Hand, warum ein armes Land eine solche Entscheidung trifft. In der Europäischen Union besteht seit 1998 ein faktisches Moratorium für die Zulassung genveränderter Lebens- oder Futtermittel. Das heißt für afrikanische Länder, dass sie künftig keine Agrarprodukte exportieren könnten, falls ihre Landwirtschaft mit gentechnisch veränderter Saat „kontaminiert“ wird. Aus diesem Grund haben sich im Jahr 2002 die anderen 13 Mitglieder der Southern African Development Community (SADC), einer Gemeinschaft von 14 Staaten im südlichen Afrika, gegen Gen-Lebensmittel gesträubt.

Dabei teilen die Afrikaner nicht wirklich die „Frankenfood-Ängste“ der europäischen Verbraucher. Erst im vergangenen Jahr erklärten Wissenschaftler aus SADC-Ländern, Gen-Lebensmittel seien unbedenklich. Sie empfahlen sogar, mit Hilfe der Biotechnologie die Hungersnot zu bekämpfen. Doch es zeigte sich, dass es dem südlichen Afrika noch an der wirtschaftlichen Stärke fehlt, um seinen früheren Kolonialherrschern die Stirn zu bieten. Man kann deshalb nur hoffen, dass kein Flüchtling sterben musste, weil sich die Europäische Union perverserweise weigert, die wissenschaftlichen Beweise anzuerkennen, dass genmanipulierte Lebensmittel keine Gesundheitsgefahr darstellen.

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