Rückrufaktion : Klemmende Gaspedale: Toyota hat eine Lösung

Ein kleines Metallteil soll Toyota aus der Klemme helfen. Durch das Einsetzen eines „präzise gefertigten Distanzstückes in das Bauteil“ soll das Gaspedal nicht mehr verhaken. Wie das genau aussehen soll, hat Toyota auf seiner amerikanischen Webseite in einer Grafik dargestellt.

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Ab in die Werkstatt. Derzeit haben die defekten Gaspedale Priorität. Foto: Uwe Steinert

Berlin - „Die Maßnahme ist universell“, sagte eine Toyota-Sprecherin in Köln. „Wir werden sie übernehmen.“ Die Bauteile sollen ab der nächsten Woche in die europäischen Werkstätten geliefert werden. Das teilte die europäische Abteilung des japanischen Autobauers am Montag mit. Noch nicht bekannt ist, wie viele Autos in Deutschland tatsächlich vom weltgrößten Autohersteller zurückgerufen werden müssen. Wenn die betroffenen Baureihen und die Fahrzeugnummern feststehen, werden die Halter vom Kraftfahrtbundesamt ermittelt und angeschrieben. Nur das Amt weiß, wer die aktuellen Besitzer der Fahrzeuge sind.

In Deutschland sind die Modelle Aygo, iQ, Yaris, Auris, Corolla, Verso, Avensis und RAV4 vom Rückruf betroffen. Bei den weltweit insgesamt 4,5 Millionen Wagen aus bestimmten Produktionszeiträumen besteht die Gefahr, dass sie unbeabsichtigt beschleunigen. Grund ist ein fehlerhaftes Gaspedal vom US-Zulieferer CTS. In einer separaten Rückrufaktion hat Toyota bereits 5,4 Millionen Fahrzeuge in den USA und Kanada zurückbeordert. Hier besteht die Gefahr, dass sich die Fußmatten lösen und das Gaspedal einklemmen können. Von diesen Autos haben etwa 2,1 Millionen zugleich das fehlerhafte Gaspedal. Insgesamt ruft Toyota somit weltweit fast acht Millionen Autos zurück – mehr als je ein Hersteller zuvor. Zuletzt hatte Ford im Oktober 2009 rund 4,5 Millionen Fahrzeuge wegen eines defekten Geschwindigkeitsreglers in die Werkstätten beordert.

Auch der französische Konzern PSA Peugeot Citroën muss allein in Deutschland rund 10 000 Autos zurückrufen. Einige Fahrzeuge des Typs Citroën C1 und des Peugeot 107 haben dieselben Probleme mit dem Gaspedal wie der baugleiche Toyota Aygo, denn sie stammen aus demselben Werk in Tschechien. Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg sieht in dem Debakel von Toyota ein Warnsignal für die gesamte Industrie. Die Autobauer müssten in Zukunft bei der Entwicklung der Teile sorgfältiger vorgehen. Denn in immer mehr Modellen werden die gleichen Teile verbaut. Nicht nur bei Toyota, Peugeot und Citroën. So liefere etwa der Golf das technische Grundgerüst für 20 weitere Modelle im Volkswagen-Konzern. „Die Gleichteile bringen den Herstellern erhebliche Kostenvorteile“, sagte Dudenhöffer dieser Zeitung. „Sie bergen aber zugleich Risiken, die nicht beherrschbar sind. Die Rückrufaktion von Toyota hat eine Dimension, die wir bisher nicht kannten.“

Viele Toyota-Fahrer sind verunsichert. „Wir bekommen viele Anrufe“, sagt Eduard Witthohn, Geschäftsführer der M.C.F. Motor Company, dem größten Toyota-Händler der Region. Die Werkstatt könne an den Autos besorgter Besitzer vorab prüfen, ob das Gaspedal gleichmäßig zurückkommt. Noch sei kein Kunde von einem geplanten Kauf zurückgetreten. In Europa habe es bisher auch keinen Vorfall gegeben, bei dem das Gaspedal klemmte, betont Witthohn. Das bestätigt der ADAC. „Wenn es in Deutschland einen Schaden oder ein Problem gegeben hätte, dann wüssten wir davon“, sagte Carsten Graf vom ADAC- Technikzentrum. Corinna Visser

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