Wirtschaft : Rückschlag für Prestige-Projekt von BMW Rolls-Royce

Risse in Turbinenschaufeln des neuen Düsentriebwerksaus Dahlewitz / Erstflug der Boeing 717 verzögert sich BERLIN (du).Die geplante Übernahme der britischen Renommier-Automarke Rolls-Royce durch BMW sorgt derzeit für Schlagzeilen.Jetzt gibt es auch für ein bereits bestehendes Gemeinschaftsunternehmen Probleme.Der bisher auf geradem Erfolgskurs steuernde Flugzeugtriebwerks-Hersteller BMW Rolls-Royce im brandenburgischen Dahlewitz mußte einen schweren Rückschlag verbuchen.Bei simulierten Höhentests des neuen BR715-Düsentriebwerks sind Risse aufgetreten, die Änderungen im Design notwendig machen.Der für Juni geplante Jungfernflug der Boeing 717 - des ersten Boeing-Jets mit deutschem Triebwerk - wird sich auf noch unbestimmte Zeit verzögern. Der Schaden ereignete sich, wie BMW Rolls-Royce-Sprecher Peter Isendahl auf Anfrage bestätigte, bei Testläufen in England.Dort befindet sich ein spezieller Prüfstand, der den Betrieb in größeren Flughöhen simuliert.Dabei bildeten sich Risse in Turbinenschaufeln der dritten Stufe des Hochdruck-Kompressors. Sowohl bei Boeing als auch bei BMW Rolls-Royce spricht man von einem typischen Problem bei einer Neuentwicklung.Bei den Probeläufen werden die Triebwerke unter Extrembedingungen getestet, "um etwaige Schwachstellen zu identifizieren und zu beseitigen" so Isendahl."Wir konzentrieren all unsere Energie darauf, das Problem fristgemäß zu lösen".Art und Kosten der nötigen Modifikationen stehen noch nicht fest.Zwei Triebwerke sind bereits im Werk in Long Beach an den Prototypen der Boeing 717 montiert worden.Der ohne eigene Antriebskraft erfolgende Roll-Out - die offizielle Präsentation des neuen Jets - soll planmäßig im Mai stattfinden.Der für Juni vorgesehene Erstflug war laut Isendahl von vornherein "ein sehr hochgestecktes Ziel" gewesen.Man arbeite aber weiter daran, die 717 noch im Sommer in der Luft zu haben.Zur Startverzögerung tragen dem Vernehmen nach aber auch andere "Kinderkrankheiten" des neuen Jets bei. Als zweites Mitglied der in Dahlewitz gebauten BR700-Triebwerksfamilie ist das BR715, dessen Musterzulassung nach wie vor im September erfolgen soll, die leistungsstärkere Variante.Das schwächere BR710 steht bereits in 100 Exemplaren erfolgreich an den Geschäftsreiseflugzeugen Gulfstream V und Bombardier Global Express im Einsatz.Im Januar hatte das brandenburgische Unternehmen mit dem amerikanischen Flugzeughersteller eine strategische Partnerschaft geschlossen, für BMW Rolls-Royce auch als deutliche Positionsverbesserung auf dem Weltmarkt.Durch die exklusive Ausstattung der neuen Boeing 717 mit dem Aggregat aus Dahlewitz sicherte sich das Unternehmen einen 20prozentigen Anteil an dem Prestige-Projekt.Bisher gibt es allerdings nur einen Auftrag der US-Fluggesellschaft AirTran, die 50 Maschinen bestellt hat.Die ab Juni 1999 geplante Auslieferung wird sich nun ebenfalls verzögern.

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