Rückversicherer : Katastrophen-Bilanz der Munich Re

Japan, Australien, Neuseeland: Die Munich Re hat im ersten Vierteljahr fast eine Milliarde Euro verloren. Eine Gewinnprognose für das restliche Jahr will die Munich Re nicht mehr abgeben.

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Spur der Verwüstung. Allein das Erdbeben in Japan – hier ein Bild aus Fukushima – wird den weltgrößten Versicherer rund 1,5 Milliarden Euro kosten. Foto: AFP
Spur der Verwüstung. Allein das Erdbeben in Japan – hier ein Bild aus Fukushima – wird den weltgrößten Versicherer rund 1,5...Foto: AFP

Berlin - Das verheerende Erdbeben in Japan, die Überschwemmungen in Australien und das Erdbeben im neuseeländischen Christchurch haben den weltgrößten Rückversicherer Munich Re (früher Münchener Rück) tief in die roten Zahlen rutschen lassen. Wie Finanzvorstand Jörg Schneider am Montag mitteilte, hat der Konzern im ersten Quartal einen Verlust von 947 Millionen Euro gemacht. Im Vorjahreszeitraum hatte der Versicherer dagegen noch 482 Millionen Euro verdient. Die Börse strafte den Konzern umgehend ab. In einem schwachen Markt verlor die Aktie bis zum Nachmittag 1,65 Prozent und notierte bei 110 Euro.

Schneider konnte die Enttäuschung über den schlechten Geschäftsauftakt nicht verbergen. „Einen solchen Quartalsverlust zu vermelden, tut uns weh“, sagte er bei der Präsentation der Zahlen, „da gibt es nichts zu beschönigen“. Schmerzen dürfte die Münchener auch, dass die Konkurrenz besser dasteht. Erzrivale Swiss Re konnte sein Minus im ersten Quartal auf 448 Millionen Euro begrenzen, die Hannover Rück rettete sich sogar in die schwarzen Zahlen – allerdings nur dank einer Steuergutschrift.

Für den Branchenprimus Munich Re ist 2011 dagegen bislang ein rabenschwarzes Jahr. Die Schäden durch Naturkatastrophen summierten sich allein im ersten Vierteljahr auf 2,7 Milliarden Euro, fast das Dreifache dessen, was üblich ist. Erinnerungen an das Jahr 2005 werden wach, als die Hurrikane „Katrina“, „Rita“ und „Wilma“ Spuren der Verwüstung in Amerika hinterließen. Für alle Naturkatastrophen zusammen hatte die Munich Re damals drei Milliarden Euro zahlen müssen, in diesem Jahr könnte es noch deutlich mehr sein. Allein die Tornados, die in den vergangenen Tagen durch Amerika zogen, werden den Konzern schätzungsweise weitere 100 bis 150 Millionen Euro kosten, sagte der für das Rückversicherungsgeschäfte zuständige Vorstand Torsten Jeworrek.

Dabei ist der Versicherer bereits hart getroffen. Allein für das Erdbeben in Japan samt Tsunami und Atomkraft-Gau rechnet die Munich Re mit Schäden von 1,5 Milliarden Euro. Noch sind das Schätzungen. Die wirklichen Zahlen dürften erst in einem halben Jahr feststehen, hieß es. Trotz der Häufung der Naturkatastrophen hält die Munich Re aber an ihrem Geschäftsmodell fest. „Wir wollen diese Risiken versichern“, sagte Schneider. „Über die Zeit gesehen verdienen wir viel Geld damit.“ Damit das Geschäft wieder profitabel wird, will der Konzern die Versicherungsprämien erhöhen. Teilweise ist das bereits geschehen. Bei den Erdbebenversicherungen für Japan, die im April erneuert worden sind, haben die Kunden bereits bis zu 50 Prozent höhere Beiträge akzeptieren müssen.

Eine Gewinnprognose für das restliche Jahr will die Munich Re aber jetzt nicht mehr abgeben. „Wir erwarten ein positives Ergebnis“ – mehr will Finanzchef Schneider nicht sagen. Das ursprüngliche Gewinnziel von 2,4 Milliarden Euro lasse sich nach den Milliardenschäden, die in diesem Jahr bereits eingetreten sind, nicht mehr halten, betonte Schneider. Die Schaden- Kosten-Quote ist im ersten Vierteljahr auf 159,4 Prozent in die Höhe geschnellt, ab einem Wert von 100 Prozent arbeiten Versicherer nicht mehr profitabel. Für den Rest des Jahres hat die Munich Re noch 700 bis 750 Millionen Euro für weitere Naturkatastrophen einkalkuliert. Ob das reicht, bleibt abzuwarten.

Und auch die Kapitalmärkte machen dem Versicherer derzeit wenig Freude. Wegen der steigenden Zinsen und des starken Euros schrumpften die Gewinne aus Kapitalanlagen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Fünftel auf knapp zwei Milliarden Euro. Hinzu kommt die Unsicherheit in den finanziell angeschlagenen Euro-Ländern. In Portugal ist die Munich Re mit 600 Millionen Euro engagiert, in Irland mit 1,6 Milliarden Euro und in Griechenland mit 1,1 Milliarden Euro. Einen Lichtblick gibt es für die Anleger – allen voran Großaktionär Warren Buffet – aber doch: Mit einer Dividende von 6,25 Euro ist die Munich Re der spendabelste Dax-Konzern.

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