Wirtschaft : Rückwärts telefonieren

Telegate macht den Anfang: Ab heute können Kunden Name und Anschrift zu einer Rufnummer erfragen

Corinna Visser

Berlin - Der Auskunftsdienstleister Telegate (11880) startet einen neuen Service: die Rückwärts- oder Inverssuche. Kunden können dann bei Telegate zu einer Rufnummer den Namen und die Anschrift eines Telefon- oder Mobilfunkkunden erfragen. „Wir werden unseren Kunden die Rückwärtssuche voraussichtlich ab dem heutigen Montag anbieten“, sagte Telegate-Vorstandschef Andreas Albath dem Tagesspiegel. Telegate ist damit nach eigenen Angaben das erste Unternehmen, das diesen Service anbietet.

Telegate bezieht die Rufnummern und Adressen von der Deutschen Telekom, die die Daten der rund 44 Millionen Telefonkunden in Deutschland verwaltet. Wann die Auskunft der Deutschen Telekom selbst den neuen Service anbieten will, sei noch offen, sagte ein Sprecher der Telekom dem Tagesspiegel.

Daten- und Verbraucherschützer kritisieren die Inverssuche. Sie befürchten, dass die Telefonnummer zu einem Schlüssel für eine ganze Reihe von Daten über eine Person wird. Sie sehen darin einen weiteren Schritt hin zum gläsernen Verbraucher. Die Inverssuche kann für Werbetreibende eine neue Möglichkeit sein, bestimmte Kundengruppen anzusprechen. Verbraucher- und Datenschützer raten Kunden daher, der Inverssuche zu widersprechen.

Seit Juni hat die Telekom sukzessive mit den Telefonrechnungen den Hinweis verschickt, dass man der Inverssuche widersprechen kann. Dabei hat sie den Kunden eine Frist von sechs Wochen gesetzt. Diese Frist ist nun für alle Kunden abgelaufen. Zwar kann man der Inverssuche zu jedem Zeitpunkt widersprechen. Wer jedoch gleich von Anfang an widerspricht, kann verhindern, dass die Daten jemals für die Inverssuche zur Verfügung stehen.

Die Mobilfunkunternehmen T-Mobile und Vodafone sind anders als die Telekom vorgegangen und haben vorsorglich für all ihre Kunden der Inverssuche widersprochen. „Wir wollten einfach datenschutzrechtlich auf der sicheren Seite sein“, sagte eine Vodafone-Sprecherin.

Die Telekom sammelt die Widersprüche der Kunden und pflegt sie in ihre Datenbank ein. Wie viele Kunden bisher der Inverssuche widersprochen haben, darüber wollte der Telekom-Sprecher keine Auskunft geben. „Wir rechnen damit, dass etwa zehn bis 15 Prozent der Kunden der Inverssuche widersprechen wird“, sagte der Sprecher.

Auch Telegate-Chef Albath hat noch keine genauen Angaben, wie viele Kunden der Inverssuche widersprochen haben. „Wir sehen nur, dass bei uns heute schon viele Kunden nach der Rückwärtssuche fragen“, sagte Albath dem Tagesspiegel. „Auch die Erfahrungen aus dem Ausland sprechen dafür.“ In Italien beispielsweise machten Rückwärtsanfragen rund zehn Prozent des gesamten Auskunftsvolumens aus, sagte Albath. „Das ist sicherlich eine Quote, die in Deutschland erst in ein paar Jahren realistisch ist. Dann, wenn der Verbraucher gelernt hat, dass es diesen neuen Dienst gibt.“

Albath ist überzeugt, dass die Rückwärtssuche für den Privatkunden einen echten Mehrwert bietet. „Es gibt immer wieder Situationen, in denen man sich beispielsweise vor dem Rückruf einer Telefonnummer, die man nicht zuordnen kann, vergewissern will, wen man da eigentlich anruft.“ Auch im Geschäftsalltag, könne das hilfreich sein, denn immerhin könne man sich besser auf ein Telefonat vorbereiten, wenn man den Gesprächsteilnehmer kenne. „Der Gesetzgeber hat den Umgang mit den Daten hier klar geregelt“, sagt Albath. „Und der Kunde bestimmt nach wie vor selbst, ob er in der Auskunft beziehungsweise speziell in der Rückwärtssuche über die Auskunft gelistet sein will.“ Daten an professionelle Interessenten wie zum Beispiel Versender von Werbepost liefere Telegate nicht.

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