Wirtschaft : Rüge für BMW-Spitze

DÜSSELDORF (zel/HB).Neue Kritik am Kurs des BMW-Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder kommt aus dem Aufsichtsrat des Münchener Automobilherstellers: Der Konzernchef habe zu spät bei der britischen Tochtergesellschaft Rover eingegriffen.Im Kontrollgremium wird offen von "Managementfehlern" gesprochen."Jetzt fangen wir an, an einer Konzernstruktur zu arbeiten", sagte ein Mitglied des Aufsichtsrates dem Handelsblatt.Rover wird in diesem Jahr wahrscheinlich einen Verlust von 500 Mill.DM erwirtschaften.Der erforderliche Investitionsbedarf bei der britischen Tochter wird auf fünf bis sechs Mrd.DM geschätzt.

Die Konzernführung erntet jetzt auch kritische Stimmen für die Produktentscheidungen bei Rover.Bei der Tochtergesellschaft seien zu spät neue Modelle auf den Markt gekommen.Der Vorstand müsse jetzt in kurzer Zeit die Entwicklung neuer Modelle freigeben.Diskutiert wird auch eine Neuordnung des Konzernvorstandes.Danach sollen einzelne Bereiche künftig gestärkt werden.Als Konsequenz wird eine Vergrößerung des Vorstandes vorgeschlagen.Außerdem soll die Zusammenarbeit der Einzelmarken BMW und Rover künftig deutlich verstärkt werden.Zudem soll es mehr Kooperation bei der Fahrzeug-Entwicklung geben.Der Entwicklungsanteil der BMW-Ingenieure beim neuen Rover 75 beträgt nach Konzernangaben 15 Prozent.Diese Quote soll bei den neuen Fahrzeugen erhöht werden.

Im Aufsichtsrat wird erwartet, daß die Konzernführung unter Pischetsrieder innerhalb des ersten Quartals Ergebnisse vorweisen kann.Es habe sich herausgestellt, daß der bayerische Automobilkonzern bei der Rover-Übernahme zu vorsichtig vorgegangen sei.Rücksichtnahmen wegen möglicher Belastung des deutsch-britischen Verhältnisses hätten sich als falsch erwiesen.

Trotz dieser Kritik hält der Aufsichtsrat an Pischetsrieder fest.Der Marketing-Vorstand Wolfgang Reitzle habe derzeit keine großen Aussichten, an die Spitze des Unternehmens vorzurücken."Pischetsrieder kann es meistern", heißt es.Der amtierende Vorstandschef müsse jedoch einige Grundsätze aufgeben.Neuerungen in der Produktpalette sind nicht nur bei der britischen BMW-Tochter, sondern auch im bayerischen Stammhaus möglich."Inzwischen darf man so etwas im Konzern denken", sagt ein Aufsichtsratsmitglied zu Überlegungen, künftig ein kleineres Fahrzeug unterhalb der 3er-Baureihe anzubieten.Pischetsrieder hatte bislang die Devise ausgegeben, daß die 3er-Serie das untere Ende der BMW-Fahrzeuge bilde.Mit den Rover-Fahrzeugen sollte das Konzernprogramm nach unten abgerundet werden.

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