Wirtschaft : Rüge für Prüfer der Bankgesellschaft

dr/fo

Die Kontrolle der angeschlagenen Bankgesellschaft Berlin war äußerst mangelhaft. Das Bundesaufsichtsamt für des Kreditwesen hat die Bilanzprüfer der Bankgesellschaft und ihrer Töchter Landesbank sowie Berlin Hyp abgemahnt. Bankenaufseher Jochen Sanio weist die Chefs von KPMG, PWC und Wedit Deloitte & Touche auf deutliche Mängel ihrer Prüfberichte hin. Aber auch im Aufsichtsrat der Bankgesellschaft gibt es Ärger über mangelhafte Information und viel zu knappe Beratungszeiten.

Harald Wiedmann, Deutschland-Chef der weltgrößten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, hat das neueste Beschwerdeschreiben der Bonner Bankenaufsicht auf dem Tisch. Darin teilt ihm Präsident Sanio mit, dass die KPMG-Prüfberichte der Landesbank Berlin (LBB) für 1998 und 1999 nicht "den aufsichtsrechtlichen Anforderungen" genügen. In dem Brief vom 19. Februar, der dem Tagesspiegel vorliegt, lässt Sanio mitteilen, "dass ich die von Ihnen künftig für die Landesbank Berlin einzureichenden Prüfberichte verstärkt im Hinblick auf die Einhaltung der Vorschriften des KWG und der ergänzenden Verordnungen und Verlautbarungen des Bundesaufsichtsamtes überprüfen werde".

Die KPMG wollte die Vorwürfe am Donnerstag auf Anfrage nicht kommentieren. Die Gesellschaft war mehrfach wegen angeblich unzureichender Prüfberichte in die Schlagzeilen geraten. Zuletzt beim Anlagenbauer MG Technologies, beim Zusammenbruch des Baukonzerns Philipp Holzmann und im Zusammenhang mit den Scheingeschäften der süddeutschen Bohrtechnikfirma Flowtex. In allen Fällen sieht sich KPMG-Chef Wiedmann rehabilitiert. PWC prüft die Bankgesellschaft und hatte seine Abmahnung schon Ende 2001 erhalten. Deloitte & Touche bekommt nach Tagesspiegel-Informationen noch Post aus Bonn.

Im Fall der Landesbank wird insbesondere kritisiert, dass die Prüfer für die Abschlüsse 98 und 99 trotz vorsichtiger Bewertung des Kreditgeschäfts der Bank noch ausreichende Risikovorsorge bescheinigt hätten. Tatsächlich mussten dann aber im Geschäftsjahr 2000 die Risikovorsorge der LBB auf 528 Millionen Euro und die Vorsorgeaufwendungen auf 879 Millionen Euro aufgestockt werden. Auch sei im Prüfbericht 99 das Risikomanagement als insgesamt geeignet bewertet worden. Die Bankenaufseher sind aber der Ansicht, dass es sich um "strukturelle und nicht erst im Jahr 2000 aufgetretene Mängel" handelt.

Die Bankenaufsicht hatte PWC auf ähnliche Mängel bei den Abschlussberichten der Bankgesellschaft hingewiesen und sich darüber beklagt, dass auf die Risiken nur unzureichend eingegangen worden sei. Die Tochter Berlin Hyp wurde bis 1999 noch von der landeseigenen Deutschen Baurevision, die heute zu Wedit Deloitte & Touche gehört, geprüft. Nach dem Gesetz kann die Bankenaufsicht sogar die Ablösung eines Wirtschaftsprüfers durchsetzen.

In der Aufsichtsratssitzung der LBB am komenden Dienstag drohen weitere Misstöne. Landesbankchef Bernd-Peter Morgenroth soll den Aufsichtsräten bereits im Vorfeld eine Stellungnahme zu einem Sonderprüfungsbericht zugeleitet haben. Pikant: Dieser Bericht liegt den Räten aber noch gar nicht vor.

Auch im Aufsichtsrat der Bankgesellschaft rumort es. Die Zeit für die Durcharbeitung der Vorlagen - beispielswiese die sehr umfangreiche Detailvereinbarung zur Übernahme der Milliarden-Risiken durch das Land - werde immer knapper, kritisieren Aufsichtsräte. "Kurzfristig kommt häufig ein Wust von Papieren." Fragen etwa, ob es überhaupt nötig sei, dass das Land Berlin alle Risiken aus dem Immobiliengeschäft übernehme, seien laipdar mit "es gibt keine Alternative" beschieden worden. Überlegungen, die hoch verschuldete Bank in die Insolvenz gehen zu lassen, seien nicht zugelassen worden.

Und schließlich scheint es weitere offene Rechnungen mit dem ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der Bankgesellschaft, Edzard Reuter, zu geben. Der frühere Daimler-Chef soll nach Aussagen von Aufsichtsräten einigen Vorständen mündlich finanzielle Zusagen gemacht haben ohne dass die Aufsichtsräte darüber informiert worden seien. Stellungnahmen der Bankgesellschaft oder von Morgenroth waren am Donnerstag nicht zu erhalten.

Mehr als nur Wirtschaftsprüfungen

KPMG gehört zu den Großen unter den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Mit einem Umsatz von 11,7 Milliarden Dollar ist das Unternehmen hinter Branchenprimus PriceWaterhouse-Coopers (PWC) und Deloitte Touche Tohmatsu weltweit die Nummer drei. In Deutschland reicht es sogar für den Spitzenplatz, gleichauf mit PWC. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte die KPMG-Deutsche Treuhandgesellschaft AG, so der vollständige Name des Unternehmens, mit 1,46 Milliarden Euro einen Rekordumsatz erzielen. Auch die Zahl der Beschäftigten stieg: von 8300 auf 9600. Nach eigenen Angaben prüft KPMG die Korrektheit der Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen der Hälfte der 30 großen im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Unternehmen. Die Wirtschaftprüfung ist aber nur eines, wenn auch das wichtigste Betätigungsfeld von KPMG. Bei KPMG International macht es noch knapp die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Daneben berät die Gesellschaft, deren Deutschland-Zentrale in Berlin sitzt, Unternehmen bei Rechts- und Steuerfragen sowie bei allgemeinen Belangen wie der strategischen Firmenausrichtung. Viertes Standbein sind Finanzdienstleistungen. opp

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