Rügen statt Mallorca : Deutschland-Tourismus: Bayern vorn

Der Deutschland-Tourismus legt in diesem Jahr langsam wieder zu – dank der Urlauber aus dem Ausland. Insbesondere Bayern bleibt Touristenmagnet. Aber auch Berlin kann punkten.

Laura Gitschier
Fotos: dpa (2)
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Berlin - Statt Mallorca-Strand Baden auf Rügen, statt Brutzeln in der Südseesonne Wandern durch den Schwarzwald: Deutschland-Urlaub bleibt im Trend – trotz Schlechtwettergefahr und mangelnder Exotik. Nach einem leichten Einbruch durch die Krise geht es nun langsam wieder bergauf mit den hiesigen Ferienregionen. 166,8 Millionen Übernachtungen zählte das Statistische Bundesamt für das erste Halbjahr in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung von drei Prozent. Dieses Wachstum hat die deutsche Tourismusbranche vor allem den Großstädten und den ausländischen Gästen zu verdanken. Diese strömten mit einem Plus von neun Prozent stärker als sonst in deutsche Gebiete, laut Statistischem Bundesamt. Die Zahl der Übernachtungen von inländischen Gästen stieg um zwei Prozent auf 141,2 Millionen.

Biergärten, Wandern, Segeln: Bayern bleibt Touristenmagnet. Mit gut 34 Millionen Übernachtungen liegt das Bundesland im Süden mit einem Zuwachs von 3,6 Prozent über dem Durchschnitt. „Vor allem ist es uns gelungen, bei unseren ausländischen Gästen massiv hinzuzugewinnen“, sagt Martin Spantig von Bayern Tourismus. Er verweist auf ein Plus von 29 Prozent etwa bei russischen Reisenden.

Baden-Württemberg verzeichnet Zuwächse von zwei Prozent bei Ankünften und Übernachtungen. Auch hier bestätigt sich der Trend zu steigenden Zahlen dank Gästen aus dem Ausland. Insgesamt rund 16 Prozent aller Baden-Württemberg-Urlauber kommen aus dem Ausland – ein im Vergleich zu anderen Bundesländern extrem hoher Wert. Ein wenig anders sieht es im Norden aus. Hier lesen sich die Bilanzen durchwachsen: Mecklenburg-Vorpommern musste im ersten Halbjahr einen Besucherrückgang von gut sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr verkraften. Einen kleinen Trost gab es in den heißen Juliwochen, als die Besucherzahlen kurzfristig in die Höhe schnellten. Der Regen im August machte die schönen Zahlen wieder zunichte. Insgesamt rechnet der Tourismusverband in Mecklenburg-Vorpommern mit Umsatzeinbrüchen von zwei bis drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Tobias Woitendorf, Sprecher des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, prognostiziert: „In Zukunft müssen Wirte und Hoteliers noch stärker um die Gäste kämpfen als bislang.“ Auch im Ferienort Binz auf Rügen wird ein leichter Rückgang erwartet. „Schwankungen des Wetters merken wir sofort“, sagt Ronald Rambow, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins Binz. Die Besucherzahlen der vergangenen zwei Monate seien aber bislang recht positiv gewesen. Auch für September und Oktober rechne man mit guten Auslastungen.

Obwohl das Frühjahr für den Nordsee-Tourismus recht schleppend anlief, weil viele Urlauber aufgrund des langen Winters eher in den Süden reisten, sieht die Bilanz für die Sommermonate bislang ganz gut aus. Viele Wirte im Nordsee-Gebiet hätten sogar Probleme gehabt, neue Gäste unterzubringen, weiß Constanze Höfinghoff, die für den Nordsee-Tourismus spricht. Eine endgültige Prognose für das ganze Jahr traut sich die Geschäftsführerin noch nicht zu.

Zwar stehen die Zeichen nach den Krisenjahren in den meisten Touristikländern auf Besserung – der Deutsche Verband der Hotels und Gaststätten (Dehoga) warnt aber vor einer verfrühten Euphorie. „Auch wenn Stimmung und Lage im Sommer 2010 besser sind als 2009, wird es noch eine Weile dauern, bis das Niveau vor der Krise wieder erreicht ist“, sagt Dehoga-Präsident Ernst Fischer. Die Zahl der Übernachtungen in der Hotellerie legte hierzulande um vier Prozent auf 101,8 Millionen zu.

Einen Teil der Verbesserung führt die Dehoga auch auf die umstrittene Mehrwertsteuersenkung für Hoteliers, die seit Anfang dieses Jahres in Kraft ist, zurück. Die Senkung der Mehrwertsteuer für Übernachtungen habe bundesweit Investitionen in Millionenhöhe ausgelöst und für neue Jobs in der Hotellerie gesorgt, sagt eine Sprecherin des Verbands und verweist in diesem Zusammenhang auch auf eine hauseigene Umfrage unter 4050 deutschen Hotels, die besagt, dass die Unternehmen bis Ende Juni insgesamt 5700 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen hätten.

Besonders punkten konnten in dem ersten Halbjahr auch die deutschen Großstädte. Sie zählen insgesamt einen Anstieg von neun Prozent der Übernachtungszahlen. In der Bundeshauptstadt Berlin zeigte sich diese Strömung besonders deutlich: Die Zahl der Übernachtungen stieg hier um gut 14 Prozent auf 9,6 Millionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, laut Zahlen des Statistikamts Berlin-Brandenburg.

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