Rüstungsindustrie : EADS und BAE planen Fusion

Die beiden Rüstungskonzerne EADS und BAE bestätigten jüngste Fusionsgespräche. Während Deutschland sich an den Verhandlungen beteiligt, enthält sich die französische Regierung jeglichen Kommentars.

Von BAE stammt unter anderem der Prototyp dieser Drohne namens Taranis. Foto: dpa
Von BAE stammt unter anderem der Prototyp dieser Drohne namens Taranis. Foto: dpaFoto: dpa

Der britische Konzern BAE Systems hat am Mittwochabend Fusionsgespräche mit dem deutsch-französischen Konkurrenten EADS bestätigt. „BAE Systems und EADS glauben, dass der mögliche Zusammenschluss beider Geschäfte die Aussicht bietet, signifikante Verbesserungen für Kunden und Aktionäre beider Unternehmen zu erreichen“, heißt es in der Mitteilung. Dies betreffe sowohl Einsparpotenziale als auch Möglichkeiten, neue Kundenkreise zu erschließen. Auch EADS bestätigte die Gespräche. Deutschland führt nach Angaben aus Regierungskreisen „konstruktive Gespräche“ mit dem europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS über dessen Pläne. Auch eine enge Abstimmung mit der französischen Regierung sei vorgesehen, hieß es am Donnerstag in Berlin. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, die Bundesregierung sei über die Fusionsverhandlungen informiert. „Wir sind um Unterstützung dieser Fusion gebeten worden.“ Deutschland und Frankreich sind Anteilseigner von EADS. Die französische Regierung hatte zuvor erklärt, sie kommentiere die Fusionspläne nicht.

EADS ist mit seiner Tochter Airbus einer der weltweit führenden Luft- und Raumfahrtkonzerne und zählt wie BAE Systems auch im Rüstungsbereich zu den weltgrößten Unternehmen. Sie sind beide in vielen Ländern der Welt als Rüstungslieferanten tätig, darunter in den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Saudi-Arabien und Australien. An dem gemeinsamen Unternehmen würde EADS die Mehrheit von 60 Prozent halten und BAE Systems die restlichen Anteile. Die Unternehmen sollen von ein- und demselben Vorstands- und Aufsichtsgremium geführt werden. Allerdings werde angestrebt, dass sie an den Börsen separat notiert bleiben. In der EADS-Erklärung heißt es: „Es kann keine Gewissheit bestehen, dass die Gespräche letztendlich zu einer Transaktion führen werden.“ Auch müsse der EADS-Verwaltungsrat dem Zusammenschluss noch zustimmen.

EADS und BAE arbeiten bereits seit längerer Zeit auf mehreren Tätigkeitsfeldern eng zusammen. Zurzeit bauen beide Unternehmen gemeinsam an dem Kampfjet Eurofighter (Typhoon) mit. Auch an dem europäischen Raketenbauer MBDA sind beide Firmen als Aktionäre beteiligt. Fusionspläne hatte es ebenfalls schon gegeben. Die kamen aber nicht zum Tragen. Im Jahr 2000 hatte der ehemalige EADS-Chef Rainer Hertrich erklärt, dafür gebe es momentan keine wirtschaftliche Begründung.

BAE Systems hat im Jahr 2011 mit mehr als 90 000 Beschäftigten bei einem Umsatz von 19,2 Milliarden Pfund (24,3 Milliarden Euro) einen operativen Gewinn von 1,6 Milliarden Pfund erwirtschaftet. EADS beschäftigte 2011 weltweit 133 000 Mitarbeiter und machte mit 49,1 Milliarden Euro einen Rekordumsatz. Unter dem Strich verdiente der größte europäische Luft- und Raumfahrtkonzern eine Milliarde Euro netto. (dpa/AFP)

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