Wirtschaft : Rüstungsindustrie muß zusammenrücken

Politiker, Militärs und Manager wollen Amerika Paroli bieten BERLIN (jojo).Politiker, Manager und Militärs sind sich einig: Die Rüstungsindustrie in Europa muß dringend umgekrempelt werden.Zu viele kleine, nationale Konzerne streiten sich um einen Kuchen, der in den kommenden Jahren bestenfalls gleichgroß bleibt.Damit noch nicht genug: In den USA hat sich die Verteidigungsindustrie zu vier mächtigen Unternehmen zusammengeschlossen, die den Weltmarkt dominieren und Europas Rüstungsschmieden an den Rand zu drängen drohen.Bislang hat die europäische Industrie auf den Angriff aus den USA vor allem in zwischenstaatlichen Programmen einzelne Vorhaben - etwa den Eurofighter - finanziert und entwickelt."Das ist noch keine echte Rüstungskooperation", bilanzierte am Dienstag Staatssekretär Gunnar Simon in Berlin auf einem Symposium der Westeuropäischen Rüstungsgruppe (Weag)."Weil einzelne Länder etwas aufgeben müßten", seien bislang wenige verpflichtende Schritte hin zu einer gesamteuropäischen Rüstungsindustrie unternommen worden.Selbsttragende Industriestrukturen gebe es jedoch in keinem europäischen Land.Schon deshalb seien Kooperationen sinnvoll.Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium setzt sich dabei insbesondere für einheitliche europäische Standards für die Rüstungsgüter ein.Diese würden es den Ländern erlauben, gemeinsam einzukaufen und die dabei in der Industrie entstehenden Größenordnungsvorteile zu nutzen.Eine ähnliche Linie vertreten die Militärs selbst.Generalleutnant Benno Ertmann verspricht sich erhebliche Einsparungen, falls die Europäer ihr Gerät zusammen ordern können.Nationale Interessen dürften seiner Ansicht nach Restrukturierungen nicht im Wege stehen.Der General befüchtet, daß Europa in die Zweitklassigkeit abrutscht, wenn es nicht zu Zusammenschlüssen kommt.Darüber hinaus zwingen multinationale Einsätze zu einer Ausrüstung, die untereinander kompatibel ist.Die Bundeswehr, so Ertmann, wolle am technischen Fortschritt teilhaben, und dies sei im Alleingang einzelner nationaler Unternehmen nicht mehr möglich.Heute werde das Tempo der technologischen Innovation von den Vereinigten Staaten bestimmt.Ertmann sieht in dem angestrebten Konzentrationsprozeß aber auch Risiken: Der letzte Rest Wettbewerb innerhalb Europas würde wegfallen, und die neugeschaffenen Riesen könnten die Wünsche der einzelnen Armeen leichter ignorieren.Unter dem Druck der Militärs und Politiker bereitet sich die Rüstungsindustrie selbst auf mögliche Zusammenschlüsse vor.Der französische Aerospatiale-Konzern erzielt bereits 75 Prozent seines Umsatzes in Kooperation mit anderen Unternehmen."Aerospatiale ist bereit, eine führende Rolle in einem europäischen Zusammenschluß zu spielen", so Serge Catorie von Aerospatiale.Das Unternehmen müßte allerdings eine mit Boeing/McDonnell vergleichbare Größe erreichen.Gegenwärtig würden sich die einzelnen Länder solchen Zusammenschlüssen aber noch viel zu wenig öffnen.

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