Rüstungskonzerne : Pentagon zieht Ausschreibung für Tanker-Auftrag zurück

Der Dauer-Wettstreit der Flugzeugbauer Boeing und EADS um einen Milliardenvertrag des Pentagon zur Modernisierung seiner Tankflugzeugflotte hat eine neue Wende genommen. Das US-Verteidigungsministerium überlässt die Ausschreibung der nächsten Regierung.

WashingtonDas US-Verteidigungsministerium zog am Mittwoch die Ausschreibung für den 35 Milliarden Dollar (rund 24 Milliarden Euro) schweren Auftrag zurück und riet den Beteiligten angesichts des politischen Streits zu einer "Abkühlphase". Verteidigungsminister Robert Gates verwies auf "die hochgradig aufgeladene Atmosphäre" des Bieterstreits zwischen dem US-Konzern und dem europäischen Konsortium, der zu einer "enorm komplexen und emotionalen" Situation geführt habe. Die Entscheidung solle der nächsten US-Regierung zufallen.

Proteste gegen Vergabe an EADS

Mit der Entscheidung kam das Pentagon dem US-Anbieter Boeing entgegen, der eine Verlängerung der Ausschreibungsfrist bis ins nächste Jahr gefordert hatte. Eigentlich sollte die Frist im Herbst auslaufen. Boeing hatte aber kürzlich gedroht, auf ein Angebot zu verzichten, falls die Frist nicht verlängert würde. Dann wäre der Auftrag an den europäischen Konzern EADS und dessen US-Partner Northrop Grumman gefallen. Die Europäer hatten bereits im Februar überraschend den Zuschlag erhalten, was in den USA zu heftigen politischen Protesten und der Forderung nach einer Berücksichtigung des US-Anbieters Boeing geführt hatte. Der Rechnungshof des Kongresses erklärte daraufhin im Juni das Vergabeverfahren für fehlerhaft und empfahl dem Pentagon eine Neuausschreibung.

Minister Gates hob in seiner Erklärung auf die politisch hitzige Diskussion um den Auftrag an, die eine "faire und objektive" Entscheidung unmöglich mache. Die Aussetzung des Projekts solle "in einer Abkühlphase resultieren, die der nächsten Regierung erlauben wird, die militärischen Erfordernisse objektiv zu prüfen und eine neue Kaufstrategie zu erarbeiten", erklärte Gates. Der nächsten Regierung, die im November gewählt und im Januar vereidigt wird, solle "volle Flexibilität" in der Frage gegeben werden. Eine rasche Entscheidung noch in diesem Jahr würde die Gefahr "eines unvollständigen und möglicherweise anfechtbaren Prozesses" bergen.

Verteidungungsminister räumt Fehler ein

Gates räumte ein, dass der komplizierte Vergabeprozess "in nicht unerheblichem Maße auch auf Fehler des Verteidigungsministeriums" zurückzuführen sei. Der Rechnungshof hatte seiner Entscheidung vom Juni dem Ministerium "eine Reihe signifikanter Fehler" bei der Vergabe an EADS und Northrop Grumman vorgehalten, was dann zur Neuausschreibung führte.

Bei dem Mega-Auftrag geht es um 179 Tankflugzeuge. Es ist die erste Tranche eines Modernisierungsplans, der sich mit Folgeaufträgen in den kommenden 30 Jahren auf etwa 100 Milliarden Dollar summieren könnte. EADS will dafür sein Modell Airbus A-330 umrüsten, Boeing bietet ein Modell auf Grundlage der Boeing 767 an. Ihren Bieterstreit tragen die beiden Rivalen mit einer aufwändigen Anzeigenkampagne in US-Medien auch öffentlich aus. (imo/AFP)

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