Wirtschaft : Ruhrgas macht bei Gazprom den zweiten Schritt

MOSKAU (ews/HB).Nach dem ersten Schritt der Übernahme von 2,5 Prozent an der OAO Gazprom, Moskau, läßt die Ruhrgas AG, Essen, gleich den zweiten folgen.Weitere 1,5 Prozent sollen nun bis Ende März auf dem russischen Markt erworben werden.Im wesentlichen werden die Anteile wohl aus dem Gazprom-Besitz stammen.Das Unternehmen besitzt ungefähr zehn Prozent der eigenen Aktien.Über den Preis wollte sich Friedrich Späth, Vorstandsvorsitzender der Ruhrgas, am Montag in Moskau nicht äußern.Vermutlich dürfte er angesichts der angespannten finanziellen Situation in Rußland kaum geringer ausfallen als die stattlichen 1,1 Mrd.DM, die für das 2,5-Prozent-Paket, das aus den 40 Prozent des russischen Staates kommt, gezahlt wurden.

Ruhrgas-Vorstand Burckhard Bergmann - der mit seinem Team innerhalb eines Jahres den Deal, zu dem noch die Verlängerung der Lieferverträge bis zum Jahr 2030 auf flexibler Basis gehört, vorbereitet und eingestielt hat - sieht den gezahlten Preis nicht als überhöht an.Generell sei das Gasgeschäft auf große Zeiträume angelegt.Auch dies Engagement sei eine langfristige Anlage.Außerdem liege der Preis bei 0,2 Dollar pro Barrel Öläquivalent.Bei dem großen Ölmergers der letzten Monate hätten die Relationen zwischen sechs und sieben Dollar gelegen.Den Wert der neuen Liefervereinbarungen zwischen 2020 und 2030 bezifferte Bergmann auf 30 bis 40 Mrd.DM.Deutschland hat laut Ruhrgas einen Jahresverbrauch von rund 90 Mrd.Kubikmetern Erdgas, wovon rund ein Drittel aus Rußland kommt.Die Ruhrgas als größter Kunde wird in diesem Jahr rund 19 Mrd.Kubikmeter Gas von Gazprom beziehen.

Späth wertet das Engagement, das größte eines deutschen Unternehmens in Rußland, als "einen Beweis unseres Vertrauens in die Funktionsfähigkeit der russischen Erdgaswirtschaft und ihre Verläßlichkeit als Erdgaslieferant, aber zugleich auch als einen Beweis unseres Vertrauens in die russische Wirtschaft generell".Ruhrgas gehe davon aus, daß sich die Situation von Gazprom mittelfristig deutlich bessern werde.Wenn wie angekündigt der russische Staat im kommenden Jahr noch einmal 2,5 Prozent anbietet, "dann werden wir uns damit befassen".Nach russischem Recht muß Ruhrgas den Anteil mindestens fünf Jahre halten und darf nicht damit spekulieren.

Die Gazprom-Beteiligung an der Wingas GmbH, Kassel, habe nichts mit dem Ruhrgas-Deal zu tun, betonte Gazprom-Chef Rem Wjachirew.Auch Wingas, an der Gazprom 35 Prozent hält, habe die Möglichkeit, einen Gazprom-Anteil zwischen 2,5 und vier Prozent zu erwerben.Die Investitionen der Gazprom im kommenden Jahr bezifferte Wjachirew auf 2,5 Mrd.Dollar.

In einem Bieterverfahren hatte Ruhrgas den Zuschlag als erster internationaler Aktionär der Gazprom gegen die Konkurrenz Interoil Finance, hinter der die russische Erdölgesellschaft Lukoil stehen soll, erhalten.Interoil hatte mit 651,5 Mill.DM den Mindestpreis nur knapp überboten.Andere Interessenten waren vorher ausgestiegen.Dem Vernehmen nach hatten sich ursprünglich auch der niederländisch-britische Konzern Royal Dutch Shell sowie die italienische Eni um das Gazprom-Paket beworben.

Um die weiteren 1,5 Prozent zu erwerben, wird mit der VEP Gazexport ein Gemeinschaftsunternehmen in Moskau gegründet, das die Anteile kaufen und halten wird.Ruhrgas wird daran 49 Prozent halten.Hintergrund: Nur einheimische natürliche und juristische Personen dürfen auf dem russischen Markt Gazprom-Aktien kaufen.

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