Wirtschaft : Ruhrkohle will mehr importieren

Bergbau verliert Bedeutung / Beteiligungen in USA geplant / Aufschwung bei Steinkohle erwartet

Essen (dpa).Der Essener Ruhrkohle-Konzern setzt angesichts der schrumpfenden Steinkohleförderung in Deutschland verstärkt auf den Auslandsbergbau."Unser Ziel muß es sein, das, was an deutscher Steinkohle nicht mehr zur Verfügung steht, möglichst ganz durch Importe zu ersetzen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Ruhrkohle AG (RAG), Gerhard Neipp, am Montag bei der Bilanzvorlage in Essen.Der Ruhrkohle-Chef kündigte den geplanten Kauf von zwei weiteren Bergwerksgesellschaften in den USA an.Daneben soll der profitable Beteiligungsbereich, auf den im vergangenen Jahr bei einem Gesamtumsatz von 24,9 Mrd.DM 14,7 Mrd.DM entfielen, weiter ausgebaut werden.1996 war das aus diesem Bereich stammende Konzernergebnis um 165 Mill.DM auf 226 Mill.DM gestiegen.Bislang ist die Ruhrkohle verpflichtet, mindestens 75 Prozent der Gewinne aus dem Beteiligungsbereich für den Bergbau einzusetzen.In den Jahren 2001 bis 2005 soll dieser Zusschuß auf jährlich 200 Mill.DM festgeschrieben werden.Der RAG-Konzern ist neben dem Bergbau in den Bereichen Chemie, Energiewirtschaft, Handel und Umwelt tätig.Durch steigende Beschäftigtenzahlen im Beteiligungsbereich blieb die Gesamtbelegschaft trotz des Abbaus von 6000 Arbeitsplätzen im Bergbau 1996 mit rund 102 000 Mitarbeitern nahezu unverändert.Nach einem Belegschaftsabbau um weitere 5000 Kumpel im laufenden Jahr soll die Konzernbelegschaft 1997 auf rund 97 000 zurückgehen.In den Verhandlungen über die künftigen Kokslieferungen an die Stahlproduzenten Thyssen und Krupp sei eine Einigung über die langfristige Auslastung der Ruhrkohlekokereien in Bottrop und der Kokerei Kaiserstuhl in Dortmund in Sicht, berichtete Neipp. Der weltweite Steinkohlemarkt wird nach Einschätzung der Ruhrkohle in den kommenden 15 bis 20 Jahren einen "enormen Aufschwung" nehmen.Neben einem Absatz von rund 40 Mill.Tonnen heimischer Steinkohle liefert die Ruhrkohle bereits heute rund fünf Mill.Tonnen Importkohle an ihre Kunden.Da der Absatz der heimischen Steinkohle nach den im Frühjahr gefaßten kohlepolitischen Beschlüssen auf etwa 30 Mill.Tonnen bis zum Jahr 2005 zurückgeht, müsse die Ruhrkohle ihre Importe erheblich erhöhen, um ihren Anteil am heimischen Steinkohlenmarkt zu halten.

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