Wirtschaft : Run der Amerikaner auf deutsche EDV-Dienstleister

DÜSSELDORF (lü/HB). Die Zahl der Firmenübernahmen in Deutschland zeigt eine nach wie vor steigende Tendenz. Wurden für das erste Halbjahr 1994 611 Übernahmen registriert, so sind es in diesem Jahr schon 1014. Das sind 11 Prozent mehr als im Vorjahr und 66 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Wie aus einer Mitteilung M&A International GmbH aus Königstein im Taunus weiter hervorgeht, waren vor allem Dienstleister und Investoren stärker gefragt.Die auf die Beratung bei Unternehmenskäufen und -verkäufen (M&A) spezialisierte Gesellschaft registrierte für den genannten Zeitraum 114 Transaktionen im Bereich EDV und 76 im Bereich Dienstleistungen. Nach Umsatzgrößen sortiert war bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 1 Mrd. DM ein Anstieg auf 28 (Vorjahr 25) zu beobachten.Der Lebensmittelsektor, der in den vergangenen Jahren regelmäßig an der Spitze lag, habe diesen Platz damit erstmals an die EDV abgegeben. Mit 359 Transaktionen ist die Anzahl ausländischer Käufer gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent und gegenüber 1994 sogar um 153 Prozent gestiegen. Rein deutsche Transaktionen machen der Studie zufolge mit 48 Prozent immer noch den Hauptanteil der Übernahmen aus, aber zeigen wenig Wachstum.Auf Basis der veröffentlichten Kaufpreise kommen die Berater für das erste Halbjahr 1999 auf ein Transaktionsvolumen von etwa 53 Mrd. DM. Für den vergleichbaren Vorjahreszeitraum liegt dieser Betrag bei 125,5 Mrd. DM, in dem allerdings allein das Volumen der Daimler-Chrysler-Fusion einen Anteil von rd. 75 Mrd. DM ausmachte.Nach wie vor würden, wie es in der Untersuchung weiter heißt, die Amerikaner als Käufer deutscher Unternehmen eine überragende Rolle spielen. Sie führen mit 111 Transaktionen von insgesamt 359 die Liste an, gefolgt von den Ländern Niederlande (43), Großbritannien (42), Frankreich (33), Schweiz (26), Schweden (25) und Österreich (23). Auffällig ist, daß die Niederländer ihr Engagement in Deutschland gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verdoppelten. Deutlich stärker ist auch das Engagement der Schweden im laufenden jahr nach nur sechs Transaktionen im Vorjahreszeitraum. Nach den USA und den Europäern spielen andere Weltregionen als Käufer eine unbedeutende Rolle. Bei der Übernahme ausländischer Unternehmen durch deutsche Käufer sind Hauptzielländer ebenfalls die Regionen USA und Europa.Das Interesse an Unternehmen in Osteuropa ist nach wie vor gering. So werden für Tschechien vier Übernahmen und für Polen nur drei Übernahmen registriert, für Ungarn nur eine. Wie Arno Burckhardt, Geschäftsführer der M&A International GmbH, erklärt, hatte er auf dem M&A-Markt für Anfang 1999 eher eine verhaltene Tendenz erwartet, nachdem viele Unternehmer sich auf den Dezember 1998 fixiert hatten, um der Steuerfalle zu entgehen. Die vorliegenden Zahlen würden jedoch zeigen, daß heute neben steuerlichen zunehmend strategische Überlegungen entscheidend seien, wenn es um Kauf oder Verkauf eines Unternehmens gehe.

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