Wirtschaft : Rund 3000 Mitarbeiter tragen mit sechs Prozent ihres Lohnes zur Rettung des Unternehmens bei

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Mit der ersten konkreten Ausgestaltung der vor einer Woche geschlossenen Rahmenvereinbarung ist ein Teil des Beitrages der Holzmann-Mitarbeiter zur Sanierung des Konzerns gesichert. Sechs Prozent des tariflichen Jahreseinkommens der rund 3000 Mitarbeiter der Muttergesellschaft des Unternehmens werden vom 1. Januar 2000 bis 30. Juni 2001 "ausgesetzt", die wöchentliche Arbeitszeit steigt von 39 auf 43 Stunden. Zusammengerechnet müssen die Beschäftigten damit für 18 Monate auf 16,25 Prozent ihrer materiellen Ansprüche verzichten. Insgesamt bleiben damit nach Angaben von Holzmann-Sprecherin Petra Rob 85 Millionen Mark im Unternehmen. Dieser Beitrag werde unter Beachtung der tariflichen Vorschriften erbracht.

Sollte Holzmann ab 2002 wieder eine Dividende zahlen, die vier Prozent des Grundkapitals übersteigt, werden Betriebsrat und Vorstand über mögliche Rückerstattungen des Sanierungsbetrages an die Beschäftigten verhandeln. Deswegen sei es falsch, so Rob, von einem Darlehen zu sprechen. Die jetzt vereinbarte Regelung wird in Verträgen mit jedem einzelnen Mitarbeiter oder mit einer Gruppe von Beschäftigten festgeschrieben.

Vor einer Woche hatten Betriebsrat und Vorstand des Baukonzerns verkündet, der Sanierungsbeitrag der Arbeitnehmer sei gesichert. Beide Seiten hatten eine Rahmenvereinbarung unterzeichnet, mit der die Personalkosten im Zeitraum vom 1. Januar 2000 bis 30. Juni 2001 um 245 Millionen Mark gesenkt werden sollten. Sie soll als Basis dienen für Betriebsvereinbarungen der Holzmann AG und ihrer Tochtergesellschaften. Danach verpflichten sich die Arbeitnehmer, für eineinhalb Jahre auf sechs Prozent ihres Einkommens zu verzichten und pro Woche 43 statt 39 Stunden zu arbeiten. IG Bau-Vize Ernst-Ludwig Laux hatte die Rahmenvereinbarung als wichtigen Beitrag zur Sanierung begrüßt, nachdem es zuvor noch einen zum Teil heftigen Disput zwischen Holzmann-Betriebsratschef Jürgen Mahneke und der IG Bau gegeben hatte. Die Gewerkschaft hatte Lohnverzicht und längere Arbeitszeiten abgelehnt, beides sei mit dem Flächentarifvertrag nicht vereinbar.

Auch Vertreter der Bauindustrie hatten diesen Weg kritisiert. Holzmann werde damit den Wettbewerb in der Branche verzerren. Gestern forderte der Zentralverband des Baugewerbes, Holzmann zu boykottieren. Der Konzern müsse von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen werden.

Das Münchener Bauunternehmen Dyckerhoff & Widmann (Dywidag) will nach einem Zeitungsbericht Tarifverträge aushebeln und Löhne kürzen. In einem Schreiben an den Gesamtbetriebsrat verweist der Vorstand darauf, dass man den Wettbewerbsvorteil des Konkurrenten Holzmann ausgleichen müsse, der durch das Sanierungskonzept entstanden sei.

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