Wirtschaft : Rundum sorglos bis zuletzt

Lebensversicherer Ideal übernimmt den Bestatter Grieneisen und bietet Service aus einer Hand

Daniel Rhée-Piening

Berlin. Für die Ideal-Lebensversicherung ist es nichts anderes als eine perfekte Abrundung ihres Produktportfolios – und ganz nebenbei eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. Deshalb findet es Dietmar Mietzner, Sprecher der Versicherung, ganz und gar normal, dass seine Gesellschaft jetzt Berlins führendes Bestattungsinstitut Ahorn-Grieneisen übernommen hat.

Ideal kehrt damit zu ihren Anfängen zurück, schließlich wurde die Versicherung auf Gegenseitigkeit vor 90 Jahren als Volksfeuerbestattungs-Verein zu Groß-Berlin gegründet. Damals eine fast revolutionäre Tat, an der sich Sozialdemokraten, Handwerker und kleine Gewerbetreibende beteiligten.

Inzwischen hat sich der Konzern mit Sitz in Berlin-Mitte zu einer „Versicherung für die zweite Lebenshälfte“ gewandelt, und „an deren Ende steht nun mal das Sterben“, sagt Mietzner. „Die Menschen sollen sagen können: So wie ich gelebt habe, will ich auch beerdigt werden“, sagt Mietzner. Deshalb können sie schon zu Lebzeiten bei Ahorn-Grieneisen entsprechende Verträge abschließen und alles im Voraus festlegen. „Wir werden als Vollstrecker eingesetzt und garantieren, dass alles wie gewünscht abläuft“.

Das sei sicherer als ein Testament, sagt Mietzner, denn Testamente würden häufig erst geöffnet, wenn der Verstorbene bereits bestattet sei. Das Angebot mit der Bezeichnung Ideal-Bestattungs-Vorsorge umfasst die Sterbegeldversicherung der Ideal und die Bestattung durch Ahorn-Grieneisen.

Auch die Geschichte von Grieneisen ist lang. Das Unternehmen wurde 1830 in Berlin als Sargtischlerei gegründet und 1995 mit der in München gegründeten Ahorn fusioniert. Schon bisher war die Ideal an dem Unternehmen mit rund 48 Prozent beteiligt. Die Liste der Menschen, die von Grieneisen beerdigt worden sind, liest sich wie das Who is Who der Berliner Gesellschaft: Kaiserin Auguste Victoria, Walter Rathenau, Ernst Reuter, Carl Bolle, Ferdinand Sauerbruch, Heinrich Zille, Hildegard Knef und Regine Hildebrandt zum Beispiel. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Ahorn-Grieneisen mit 429 Mitarbeitern an 135 Filialen einen Gesamtumsatz von 38 Millionen Euro. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen mit einem Netz von derzeit 120 Partnerunternehmen in ganz Deutschland zusammen.

„Schon eine einfache Bestattung kostet heute im Schnitt 5000 Euro“, sagt Mietzner. Da sei es schon vernünftig, sich zu versichern– zumal man ja nie wissen könne, ob die Erben liquide seien. Für eine 50jährige Frau kostet die Versicherung derzeit 12,50 Euro pro Monat, Männer im gleichen Alter müssen 15,79 Euro bezahlen.

Doch zum „führenden Senioren-Versicherer Deutschlands“, wie sich die Ideal selbst bezeichnet, gehört noch mehr. Eine Rentenversicherung, ein spezieller Rentenfonds (zusammen mit Activest), eine Risiko- und eine Hausratversicherung für Senioren und eine Pflegefallversicherung für die Stufe III. Zudem laufen die Planungen für ein neues Produkt. „Wir planen ein Vorsorgepaket, das generationenübergreifend Enkel und Großeltern einschließt“, sagt Mietzner, hält sich aber mit Details zurück.

Die Ideal Lebensversicherung zählt mit 400000 Verträgen und Beitragseinnahmen von 68 Millionen Euro zu den kleinen Versicherern. Aber wir sind „eigenständig und autark“, heißt es in der Kochstraße. „Wir haben Reserven für 67 Monate und den Stresstest der Bundesanstalt für Finanzdiensleistungen (BAFin) 1A bestanden“, ergänzt Mietzner.

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