Wirtschaft : Russen top, Schweizer flop

Internetfirma Yandex gelingt Börsengang, Rohstoffhändler Glencore enttäuscht

Berlin - Aktien sind keine Selbstläufer: Der mit hohen Erwartungen verbundene Börsengang des weltgrößten Rohstoffhändlers Glencore ist am Dienstag in London schiefgegangen. Die Aktie blieb an ihrem ersten Handelstag zwischenzeitlich unter dem Ausgabepreis. Hingegen gelang dem russischen Internetunternehmen Yandex wenige Stunden vorher in den USA eine positive Überraschung: Die Russen nahmen 1,3 Milliarden Dollar ein – soviel hatte in der Branche zuletzt Google im Jahr 2004 erzielt. Yandex betreibt die erfolgreichste Suchmaschine in Russland und hat dort einen Anteil von 64 Prozent bei den Suchanfragen.

Die beiden Börsengänge demonstrieren, was an der Börse derzeit gefragt ist. Internetunternehmen stehen fast so hoch im Kurs wie zu den besten Zeiten der New Economy. Nach dem grandiosen Börsengang des Karriere-Netzwerks Linked-In in der vergangenen Woche stehen die Anleger Schlange. Davon profitiert auch Yandex. Das Unternehmen setzte den Preis für seine Aktien herauf und fand trotzdem mehr Käufer als erwartet.

Glencore startet stattdessen zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Der steile Anstieg der Rohstoffpreise wurde vor gut zwei Wochen gestoppt, viele Notierungen stürzten ab. Obwohl nicht sicher ist, dass damit eine Abkühlung der weltweiten Konjunktur vorweggenommen wurde, sind die Investoren in der Rohstoffbranche vorsichtig geworden.

Der Handel von Glencore-Aktien in Hongkong beginnt an diesem Mittwoch. Gleichzeitig wird auch Glencores Aufstieg in den Londoner Leitindex FTSE 100 erwartet, womit Millionen Briten über ihre Rentenversicherung zu Anteilseignern des ihnen bislang völlig unbekannten Unternehmens werden. Der mit rund 40 Milliarden Euro bewertete Schweizer Konzern verstärkt im Index den Anteil von Rohstoffkonzernen.

Mit den Einnahmen in Höhe von rund sieben Milliarden Euro will Glencore seinen Kapitalstock ausbauen und künftiges Wachstum finanzieren. Glencore ist gemessen an seinem Umsatz von rund 100 Milliarden Euro das größte Unternehmen der Schweiz, hat sich mit heute 60 000 Mitarbeitern in den 40 Jahren seiner Geschichte aber in der Öffentlichkeit weitgehend bedeckt gehalten. Mit dem Börsengang dürfte sich dies ändern. mot/rtr

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