Wirtschaft : Russen wollen EADS-Anteil aufstocken

Eine staatliche Bank übernimmt gut fünf Prozent, und ein staatlich kontrollierter neuer Flugzeugkonzern will noch mehr

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Moskau / München - Der russische Flugzeugbauer Vereinte Flugzeugbauwerke OAK will einen Anteil von mindestens zehn Prozent am europäischen Luftfahrtkonzern EADS erreichen. Erst am Montag hatte EADS bekannt gegeben, dass sich die staatliche russische Vneshtorgbank (VTB) für rund 780 Millionen Euro mit gut fünf Prozent an der Airbus-Mutter beteiligt habe. Am gleichen Tag sagte Alexej Fjodorow, designierter OAK-Chef, „wir wollen zehn Prozent an EADS, um eine strategische Industrie-Partnerschaft zu begründen“. EADS hatte sich Anfang 2005 mit zehn Prozent am russischen Flugzeugbauer Irkut beteiligt. Die OAK soll bis Ende September durch Fusion aller russischen Flugzeug- und Hubschrauber-Produzenten entstehen, gab Fjodorow nach seinem jüngsten Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin bekannt. Der Staat werde an dem fusionierten Unternehmen einen Anteil von 75 Prozent halten.

Der damalige Kanzler Gerhard Schröder hatte Anfang 2005 anlässlich des Kaufs von zehn Prozent der Aktien des sibirischen Flugzeugherstellers Irkut durch EADS gesagt, Russland müsse „einen Platz im EADS-Boot haben“. Seinerzeit war laut EADS-Quellen sogar von einer russischen Beteiligung von zehn bis 15 Prozent an EADS und Airbus die Rede. Durch die Fusion aller Flugzeugproduzenten zur OAK, deren Chef der bisherige Irkut-Großaktionär und Vorstandschef des Kampfjetherstellers MiG, Fjodorow wird, will Russland seine notleidende Flugindustrie am Leben erhalten. Bisher sind alle Langstrecken- und Regional-Flugzeugproduzenten so zerstritten und finanziell so schwach, dass in Russland pro Jahr nur noch ein Dutzend Flugzeuge produziert werden. Dabei müssen dort binnen weniger Jahre mindestens 1000 Jets ersetzt werden.

Nicht nur deshalb liefern sich die beiden Flugzeughersteller Boeing und Airbus einen harten Kampf um Russland. Allein Aeroflot, Russlands größte und staatlich kontrollierte Fluggesellschaft, will jetzt für drei Milliarden Dollar erstmals neue Flugzeuge ordern. Bisher wurden nur westliche Gebrauchtmaschinen gekauft. Aeroflot will sich zwischen der Airbus A-350 und Boeings 787 entscheiden. Beide Konzerne überbieten sich dabei mit Milliarden-Aufträgen für Irkut, russische Titanproduzenten und Ingenieursbüros um die Gunst Russlands. So will Airbus Russland mit drei Prozent aller Bauteile am A-350 beteiligen und Boeing vergab Teile der 787-Flugtests an russische Experten.

Bisher ist noch unklar, was eine kleine russische Beteiligung an EADS soll: Auch Analysten in Russland weisen darauf hin, dass ein Zehn-Prozent-Paket keinen Einfluss auf den Konzern-Kurs bedeute. Doch zitieren Moskauer Medien ungenannte Regierungsvertreter, die genau dies wollen: „Einfluss auf Europas bedeutendsten Raum- und Luftfahrtkonzern“, wie das Moskauer Magazin „Smartmoney“ schrieb. Nach Ansicht von Konstantin Makijenko vom Moskauer Zentrum zur Analyse von Strategien und Technologien könnte dies Thema des für Ende September geplanten Dreiergipfels von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Russlands Präsident Wladimir Putin und Frankreichs Staatschef Jacques Chirac werden.

Doch auch wenn die Russen ihren Anteil von fünf Prozent weiter aufstocken, kann das die Machtverhältnisse bei der EADS nicht ändern. Denn noch kontrollieren die Großaktionäre Daimler-Chrysler (22,5 Prozent), Lagardère (7,5 Prozent) und der französische Staat (15 Prozent) die Geschicke der EADS. Ein Aktionärspakt sichert Ihnen die alleinige Kontrolle über die strategische Ausrichtung und die Besetzung des Managements, auch wenn Deutsche und Franzosen keine Kapitalmehrheit mehr haben.

„Russland ist für die Branche ein wichtiger Markt“, sagte ein EADS-Sprecher. „Die Russen verfügen über hervorragende Entwicklungs- und Produktionskapazitäten.“ Die EADS-Führung will die Internationalisierung des Konzerns vorantreiben. China, Indien und Russland sind strategische Schlüsselmärkte aus Sicht der EADS. Derzeit arbeiten noch 97 Prozent der Beschäftigten in Europa, dass soll sich ändern. mrb/fas/HB

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