Russisches Gas : Eon Ruhrgas befürchtet massiven Lieferengpass

Weniger Gas für Deutschland: Nach Lieferausfällen in mehreren ost- und südosteuropäischen Ländern kommt nun auch in Deutschland weniger russisches Gas an. Die EU protestiert.

Gas
Innerhalb von 36 Stunden soll das russische Gas wieder nach Europa fließen. -Foto: dpa

Berlin/SofiaDer Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat inzwischen auch in Deutschland zu ersten Lieferausfällen geführt. Beim wichtigsten Gas-Importeur Eon Ruhrgas gibt es einen Druckabfall. Angesichts der drastischen Drosselung von Gaslieferungen nach Deutschland warnt das Unternehmen vor Engpässen bei der Versorgung. Die für Europa bestimmten Erdgasmengen seien seit Dienstagmorgen "massiv eingeschränkt", sagte Eon-Ruhrgas-Chef Bernhard Reutersberg. Er rechnet damit, dass im Laufe des Tages gar kein Gas aus der Ukraine an der deutschen Grenzlieferstation im bayerischen Waidhaus mehr ankommt.

Derzeit ist die Versorgung den Angaben zufolge aber noch gesichert: Eon Ruhrgas habe vorsorglich Maßnahmen getroffen und beziehe sein Gas aus verschiedenen Quellen. Zudem lagerten in den Gasspeichern Reserven, sagte der Reutersberg. Diese sind aber begrenzt: "Auch unsere Möglichkeiten stoßen an ihre Grenzen, wenn diese drastischen Lieferkürzungen anhalten und die Temperaturen weiterhin auf sehr niedrigem Niveau bleiben", warnte der Manager.

Eon Ruhrgas bezieht 26 Prozent seines Erdgases aus Russland. Daneben kauft der Konzern unter anderem in Norwegen, den Niederlangen oder in Deutschland selbst ein. Auch ein Sprecher des Gasimporteurs Wingas sagte, seit Dienstagmorgen gebe es die ersten Druckabfälle auf der über die Ukraine verlaufenden Gaslieferroute. Über Umfang und Dauer der Ausfälle wurde zunächst nichts bekannt.

"Ohne vorherige Warnung"

Damit wirkt sich der Energie-Streit zwischen Moskau und Kiew zunehmend auf Europa aus. Wegen einer gedrosselter Zufuhr aus Russland könne es kurzfristig zu Engpässen bei der Weiterleitung nach Westeuropa kommen, teilte das Staatsunternehmen Naftogas am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax in Kiew mit. Russland pumpe derzeit nur 92 Millionen Kubikmeter statt wie sonst täglich 221 Millionen Kubikmeter in ukrainische Transitpipelines. Aus Moskau lag dazu zunächst keine Stellungnahme vor. Russlands Präsident Alexander Medwedew, der auch Vize-Chef des Monopolisten Gazprom ist, wird am Dienstag in Berlin erwartet.

Die Europäische Union hat gegen die jüngsten Lieferausfälle bei russischem Erdgas protestiert. "Ohne vorherige Warnung und in klarem Widerspruch zu den Versicherungen der höchsten russischen und ukrainischen Stellen wurden die Gas-Lieferungen an einige EU-Mitgliedstaaten wesentlich verringert", betonten die EU-Kommission und die tschechische EU-Ratspräsidentschaft am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung.

Russlands Regierungschef Wladimir Putin hatte am Montag eine Teilversorgung von Westeuropa über alternative Routen veranlasst. Der frühere Kremlchef wies Gazprom an, rund 65,3 Millionen Kubikmeter Gas nicht durch Pipelines in der Ukraine, sondern zum Beispiel durch die Türkei und Weißrussland zu pumpen. Es handele sich um die Menge, die die Ukraine aus Transitleitungen illegal abzapfe. Kiew bestreitet dies. Medwedew soll in Berlin eine von Tschechiens Industrie- und Handelsminister Martin Riman geführte EU-Abordnung sowie Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann treffen.

Kein Gas mehr für Südeuropa

Unterdessen hat Russland die Gas-Lieferungen für große Teile Südosteuropas komplett gestoppt. Das bulgarische Wirtschaftsministerium teilte mit, die Lieferungen an die Gasgesellschaft Bulgargaz seien in der Nacht zum Dienstag eingestellt worden. Das Gas sei für den heimischen Markt und zur Weiterleitung nach Griechenland, in die Türkei und nach Mazedonien bestimmt gewesen.

Polen, Rumänien, Bulgarien und die Slowakei erhielten erneut bis zu 30 Prozent weniger russisches Gas aus der Ukraine. Auch Ungarn, Serbien und Bosnien fürchten nach Angaben aus Kiew eine Reduzierung. (sf/ae/dpa/AFP)

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