Wirtschaft : Russisches Wirtschaftswachstum: Osteuropabank von rascher Erholung überrascht

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Die rasche wirtschaftliche Erholung Russlands nach der tiefen Finanzkrise von 1998 hat selbst die generell optimistischen Experten der Londoner Osteuropabank (EBRD) überrascht: Das Bruttoinlandsprodukt des Landes werde in diesem Jahr nicht wie bisher vorhergesagt um ein Prozent, sondern um 6,5 Prozent wachsen, prognostiziert die Bank in ihrem am Dienstag vorgelegten Transformationsbericht. Damit liegen die Erwartungen der Londoner jetzt auf einer Linie mit denen des IWF oder großer Investmentbanken.

Die Erholung Russlands werde aber nicht allein von den hohen Ölpreisen getragen, sondern auch vom Aufschwung der Industrieproduktion, die von der starken Abwertung des Rubels seit der Finanzkrise profitiert, argumentiert die Osteuropabank. Um die Wachstumsraten auf ihrem hohen Niveau zu halten sei es nun aber nötig, die einheimische Industrie stärker zu modernisieren und wettbewerbsfähiger zu machen, denn die Wirkung des "Wechselkurs-Kissens" laufe allmählich aus.

In dieser Hinsicht scheint das Vertrauen der Osteuropabank in die Wirtschaftspolitik des Kreml aber begrenzt: bereits für 2001 wird ein Rückgang der Wachstumsrate auf vier Prozent erwartet. Die russische Regierung hat sich dagegen ein Wachstum von mindestens sieben Prozent über viele Jahre hinweg vorgenommen, um den Entwicklungsvorsprung des Westens aufzuholen.

Für die künftige Reformpolitik biete sich jetzt eine günstige Basis, schreibt die Bank. Die politische Stabilisierung nach der Wahl von Präsident Wladimir Putin, das günstige außenwirtschaftliche Umfeld und die rasche Erholung begründeten die Chance für einen "Neustart des Transformationsprozesses". Das im Juli verabschiedete Reformprogramm enthalte wichtige Prioritäten: die Eigenreform der staatlichen Institutionen, die Sozialreform und die Neugestaltung der Beziehungen zwischen Moskau und den Regionen. Nun seien rasche Schritte notwendig, die den Reformwillen der Regierung zweifelsfrei unter Beweis stellten. Vor allem das Geschäfts- und Investitionsklima müsse rasch verbessert werden.

Immerhin sieht die Osteuropabank Anzeichen, dass Russlands Oligarchen ihr Verhalten änderten: Einige hätten verstanden, dass es nicht mehr darum gehe, sich immer neue Firmen unter den Nagel zu reißen, sondern dafür zu sorgen, dass ihr erworbenes Kapital Rendite erwirtschaftet. Zwar sei das Wachstum der Investitionen in der ersten Jahreshälfte auf 12,5 Prozent gestiegen, noch immer machten aber mehr als 40 Prozent der Firmen Verluste.

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