Wirtschaft : Rußland immer mehr im Sog der Asienkrise

Index der 50 Blue chips in Moskau fiel im Januar um ein Drittel MOSKAU (mzi/HB).Galt die Moskauer Börse noch im vergangenen Jahr als ein idealer Platz für schnelle Kursgewinne, so mußte sie im Laufe des Januar mächtig Federn lassen.Mehrere Handelstage mit kräftigen Kursverlusten ließen zum Ende des Monats den Moscow Times-Index 50 russischer Blue chips erstmals seit knapp einem Jahr unter die 200-Punkte-Marke (auf Dollarbasis) fallen.Der Abwärtstrend hatte sich immer mehr beschleunigt.Von noch 301 Indexpunkten zum Jahresschluß fiel allein nach einem "rabenschwarzen Montag" am 12.Januar das Börsenbarometer in einer Sitzung um 12 Prozent auf 244,3 Punkte.Insgesamt hat der Index im Januar 33 Prozent verloren.Zwar konnte sich die Börse nach dem Anziehen der geldpolitischen Zügel durch die Zentralbank am vergangenen Freitag wieder etwas erholen und Boden gut machen, doch als Trendwende wollten dies die Börsianer noch nicht interpretieren. Auch zahlreiche optimistische Aussagen von Regierungsmitgliedern über die Wachstumschancen der russischen Volkswirtschaft konnten nicht verhindern, daß Rußland seit Jahresbeginn verstärkt in den Sog der Asien-Krise gelangte.Nach rund 8 Mrd.Dollar, die von ausländischen Portfolioinvestoren in den Monaten Oktober bis Dezember aus dem Markt genommen wurden, sollen im Januar erneut Gelder im Umfang von 2 Mrd.Dollar abgeflossen sein.Unabhängig von seiner tatsächlichen Volatilität ist damit der gesamte russische Emerging Market unter den Druck veränderter Anlagestrategien gekommen.Von dieser Dynamik konnten sich auch nicht die ansonsten stabileren Werte wie etwa die Aktie des Gasmonopolisten Gazprom, des Ölkonzerns Lukoil oder des Versorgers Mosenergo abkoppeln. Auch eine Reihe von geplanten Aktienplazierungen im Ausland wurden von den betreffenden Unternehmen zunächst erst einmal verschoben.Direkt beeinflußt von den Turbulenzen an der Börse hatten sich auch die Zinsen für Staatsanleihen deutlich erhöht.Die russische Zentralbank hob daraufhin zum Ende der vergangenen Woche sowohl den Devisen-Mindestreservesatz für die Geschäftsbanken wie auch den Refinanzierungssatz von 28 auf 42 Prozent an, um den Zinsspekulationen eine Grenze zu setzen.

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