Wirtschaft : Russland kommt der Post chinesisch vor Zumwinkel will vom Wachstum profitieren

Bernd Hops

Moskau - In Westeuropa ärgern sich Verbraucher über steigende Öl- und Gaspreise, in Russland sorgen die zusätzlichen Einnahmen für Wohlstand. Moskau, in den 90er Jahren noch eine weitgehend dunkle Stadt, wird heute geprägt von Leuchtreklamen. Das Kaufhaus GUM am Roten Platz sieht von außen das ganze Jahr aus wie zu Weihnachten. Wohlstand bedeutet mehr Handel. Und Handel bedeutet, dass mehr Waren transportiert werden müssen. Davon will die Deutsche Post mit ihrer Tochter DHL profitieren. Für sein Unternehmen sei Russland wie China, nur direkt vor der Haustür, sagte Post-Chef Klaus Zumwinkel jetzt auf einer Pressereise in Moskau. „Teilweise sind die Wachstumsraten sogar noch höher.“

Die Logistik-Tochter DHL organisiert in Russland den Express-Versand von Dokumenten oder Paketen ins In- und Ausland, hier sieht sich der Konzern als Marktführer. Außerdem betreibt DHL den Transport von Waren per Lkw, Zug, Schiff und Flugzeug oder übernimmt für Kunden wie VW, die eigene Fabriken in Russland haben, die Versorgung mit Bau- und Ersatzteilen. Dabei ist die Tendenz rasch steigend. In diesem Jahr erwartet die Post nach eigenen Angaben je nach Geschäftsfeld in Russland Wachstumsraten zwischen 36 und 50 Prozent.

Überhaupt entwickele sich DHL in gesamt Mittel- und Osteuropa gut. „Das ist ein sehr profitables Geschäft. Häufig ist die Umsatzrendite zweistellig“, sagte Post-Chef Zumwinkel. Der Umsatz liege in den Ländern außerhalb Russlands bei rund 1,2 Milliarden Euro, inklusive des russischen Markts bei mehr als zwei Milliarden. Gerade hat DHL ein neues Logistikzentrum in Puschkino bei Moskau in Betrieb genommen – mit einer Fläche von 300 000 Quadratmetern. 60 Prozent aller russischen Importe würden über die drei Moskauer Flughäfen abgewickelt, erklärte Zumwinkel. Innerhalb der nächsten vier Jahre plane der Konzern Investitionen von 250 Millionen Dollar (rund 176 Millionen Euro) in Russland und weitere 250 Millionen in der übrigen Region.

Doch mit dem Wachstum wird auch das Personal knapp. Laut Post müssen für russische Logistik-Spezialisten mittlerweile zehn Prozent mehr Lohn gezahlt werden als in für die hohen Löhne bekannten London. Trotzdem setzt der Konzern auch in anderen Ländern Osteuropas vor allem auf lokale Kräfte. Das erleichtere die Geschäfte zum Beispiel unter schwierigen politischen Bedingungen, sagte Konzern-Chef Zumwinkel.

Die Post sieht sich mit der in den vergangenen Jahren erfolgten weltweiten Expansion als Vorreiter der Branche, die noch stark zersplittert ist. Frank Appel, Konzernvorstand für Logistik und das internationale Briefgeschäft, sagte: „Es wird eine drastische Beschleunigung der Konsolidierung geben. Und viele Wettbewerber haben die Integrationsaufgaben noch vor sich, die wir schon hinter uns haben.“

Im Gegensatz zum internationalen Erfolg wächst aber die Konkurrenz ab Januar 2008 auf dem heimatlichen Briefmarkt. Post-Chef Zumwinkel wirbt hier für Mindestlöhne acht bis 9,80 Euro die Stunde, die die Wettbewerber aber am Dienstag erneut als viel zu hoch zurückgewiesen haben. Bernd Hops

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