Wirtschaft : Russland probt beim Öl den Alleingang

Karin Birk

Die Russen kümmern sich wenig um die Wünsche der Organisation Erdöl-exportierender Länder (Opec). Auch auf wiederholtes Drängen der Scheichs aus Saudiarabien und anderer Opec-Staaten, die Russen sollten ebenfalls ihre Fördermengen drosseln, um den absackenden Ölpreis zu stabilisieren, passierte praktisch nichts. Nur um lächerliche 50 000 Barrel pro Tag wollen die Russen ihre ölförderung zurückfahren. Die Opec fordert dagegen 200 000 oder 300 000 Barrel am Tag. Nur so könne gemeinsam mit ihrem Beitrag der Ölpreis wieder ein für das Kartell akzeptables Niveau von 20 bis 24 Dollar pro Barrel erreichen. In den vergangenen Wochen war der Preis für das schwarze Gold teilweise bis auf 16 Dollar pro Barrel gefallen, so tief, wie seit zwei Jahren nicht mehr. Das verhaltene Wirtschaftswachstum hatte schon vor dem 11. September für eine geringere Nachfrage gesorgt. Mit den Terrroranschlägen brach der Absatz jedoch regelrecht ein. Dazu trug insbesondere auch der starke Rückgang im Fluggeschäft - das allein acht Prozent der Weltnachfrage ausmacht - bei. Um bei geringer Nachfrage den Preis nicht auf Tiefststände von zehn Dollar wie zuletzt 1998 absacken zu lassen, wollte die Opec jetzt das Angebot zurückfahren. Doch so einfach ist das nicht. Denn mittlerweile kontrolliert das Kartell nur noch rund 41,5 Prozent des Welt-Ölmarktes. Afrikanische Länder, Norwegen und vor allem Russland spielen eine immer größere Rolle. Dieser Stellung sind sich die Russen durchaus bewusst. Sollen doch die anderen die Mengen herunterfahren. Die Quertreiber aus Moskau wollen als zuverlässiger Energielieferant gelten und der Welt gerade in einer Rezession nicht den Öl-Hahn zudrehen.

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