Wirtschaft : Rußland soll insgesamt 1,6 Mrd.DM an Deutschland zurückzahlen.

Wegen der Wirtschaftskrise ist Rußland gegenüber Deutschland und anderen Gläubigerländern mit seinen Rückzahlungen auf Kredite und Zinsen in Rückstand geraten.Der russische Staat überwies zum 20.August an Deutschland lediglich 48,5 Mill.DM anstelle der ausstehenden 800 Mill.DM, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums.Allein in diesem Jahr soll Rußland insgesamt 1,6 Mrd.DM an Deutschland zurückzahlen.Der Sprecher zeigte sich aber überzeugt, daß das Geld bis zum Jahresende gezahlt werde.Somit würden die fehlenden Raten nicht den Bundeshaushalt belasten.

Nach Angaben des russischen Finanzministeriums geriet Moskau auch mit dem Schuldendienst gegenüber anderen Ländern in Verzug.Rußland habe immer versichert, es werde seinen Verpflichtungen aus dem allein gegenüber Deutschland 25 Mrd.DM umfassenden Paket nachkommen, betonte der Sprecher in Bonn.Was passiere, wenn das Land nicht zahle, sei "eine sehr theoretische Frage".Nach einem Bericht der "Financial Times" vom Freitag war es offenbar das erste Mal, daß Rußland mit seinen Zahlungen in Verzug geriet.

Unterdessen schlug Präsident Boris Jelzin den ehemaligen Chef der sowjetischen Staatsbank, Viktor Geraschtschenko, dem Parlament als Zentralbankchef vor.Geraschtschenko lehnte die Idee der Anbindung der Rubelmasse an die Devisenreserven Rußlands ab.Zum Anwerfen der Notenpresse nehme er eine vorsichtige Haltung ein, sagte Geraschtschenko.In Regierungskreisen gibt es den Vorschlag, Lohnschulden des Staates mit einer "kontrollierten Geldemission" zu begleichen.Geraschtschenko hatte von 1989 bis 1991 die sowjetische Staatsbank und von 1992 bis 1994 die russische Zentralbank geleitet.Reformer hatten ihm vorgeworfen, die Sparpolitik der Regierung behindert zu haben.Er war nach dem sogenannten Schwarzen Dienstag am 11.Oktober 1994 entlassen worden, als der Rubel an einem Tag 27 Prozent seines Werts verloren hatte.

Die Kurse an den internationalen Finanzmärkten haben am Freitag ihre Talfahrt fortgesetzt.Ein nach der Sex- und Meineidaffäre um US-Präsident Bill Clinton mögliches Amtsenthebungsverfahren verunsichere die Aktien- und Devisenmärkte weltweit, sagten Händler.Dazu kämen die Wirtschaftskrisen in Asien und Sorgen über die Konjunkturentwicklung in Lateinamerika.Der Wertverlust des US-Dollar setzte sich ebenfalls fort.Der amtliche Mittelkurs fiel in Frankfurt auf 1,6895 DM von 1,7063 DM am Vortag - auf das niedrigste Niveau seit Ende Mai vorigen Jahres.Die Kurse an den großen Börse in Asien und Europa gaben zum Teil deutlich nach.In Frankfurt blieben die Verluste des Dax vergleichsweise moderat.

An den Märkten in Fernost gelten die weiterhin düsteren Konjunkturaussichten Japans als Hauptgrund für die zum Teil drastischen Kursverluste.Die japanische Notenbank schrieb in ihrem jünsten Monatsbericht, daß die Konjunktur weiter auf Talfahrt sei.Der Nikkei-Index der Tokioter Börse brach um über fünf Prozent ein, der Hongkonger Hang-Seng-Index gab um knapp 3,5 Prozent nach.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben