Wirtschaft : Rußland und Indonesien hoffen wieder

WASHINGTON/MOSKAU/JAKARTA/FRANKFURT (MAIN) (rtr/dpa/AFP).Die Aussicht auf eine gemeinsame Hilfe der sieben führenden Industriestaaten (G7) hat am Dienstag die russische Börse deutlich beruhigt.Der Aktienmarkt, an dem die Kurse am Montag auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen waren, verzeichnete am Dienstag ein Plus von fünf Prozent.

US-Außenamtssprecher James Rubin hatte am Montag abend in Washington mitgeteilt, die USA und nicht nähere genannte andere G7-Mitglieder prüften gemeinsam mit Vertretern internationaler Finanzinstitutionen den finanziellen Bedarf Rußlands.Über die Höhe eines Hilfspakets wollte Rubin jedoch nichts sagen.

Rußlands Präsident Boris Jelzin, der in der vergangenen Woche ein stärkeres persönliches Engagement im Kampf gegen die Finanzkrise angekündigt hatte, ermahnte unterdessen russische Wirtschaftsvertreter und Bankiers.Sie müßten mehr tun, damit wieder Vertrauen in die russische Wirtschaft entstehe.Während eines Treffens Jelzins mit Spitzenvertretern der wichtigsten Industrie- und Finanzgruppen des Landes sagte der Präsident, wenn inländische Anleger ihr Geld nicht investierten, würden ausländische Anleger das Land verlassen.

Jelzin kritisierte auch die mangelnde Steuermoral.Die Steuereinnahmen hätten sich in den vergangenen Monaten noch einmal verschlechtert.Das soll sich künftig ändern.Außerdem will die Regierung ihr Finanzproblem lösen, indem sie mehr spart und zügig privatisiert.Im Zuge dieser Bemühungen lancierte die russische Regierung am Dienstag eine neue, günstigere Ausschreibung für die Privatisierung der Ölgesellschaft Rosneft.Für sie hatte sich bei einem ersten Versuch kein Kaufinteressent gefunden.Bis Ende des Jahres sollen Aktienpakete von insgesamt zehn Unternehmen versteigert werden.

Unterdessen könnte die Finanzkrise in Rußland den Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Ansicht von Experten in die Klemme bringen.Derzeit stehen für Rußland 9,2 Mrd.DM zur Verfügung.Inzwischen hat der IWF der Regierung in Moskau die Zahlung des nächsten Teilkredits über 670 Mill.Dollar für Juni zugesichert.Aber Marktfachleute schätzen, daß Rußland weitere gut zehn Mrd.Dollar benötigen dürfte, um der Krise Herr zu werden.

Der Fonds hat darauf hingewiesen, daß seine nutzbaren Reserven ohne frisches Geld der Mitgliedsstaaten zwischen zehn und zwölf Mrd.Dollar betragen.Der IWF soll zwar eine Finanzspritze seiner Mitglieder bekommen.Der US-Kongreß sperrt sich aber seit Monaten gegen die Freigabe von 18 Mrd.Dollar, mit der die USA als größte Volkswirtschaft der Welt das Kapital des Fonds aufstocken sollen.Jeder der 182 Mitgliedsstaaten beteiligt sich entsprechend seiner Wirtschaftskraft an der Kapitalausstattung.

Schon die Asien-Krise hatte die Kasse der internationalen Finanzfeuerwehr arg strapaziert.Allein für Südkorea, Indonesien und Thailand vermittelte der IWF im vergangenen Jahr über 100 Mrd.Dollar an Kredithilfen.

Derzeit hofft auch das krisengeplagte Indonesien wieder auf Hilfen des IWF.Die Arbeitslosigkeit steigt, die Inflation zieht an.Die Wirtschaftsleistung werde in diesem Jahr um gut zehn Prozent schrumpfen, teilte das Statistische Amt des Landes mit.Der stellvertretende IWF-Direktor Stanley Fisher stellte eine baldige Wiederaufnahme der Auszahlung von Krediten aus dem IWF-Hilfspaket von 41,2 Mrd.Dollar in Aussicht.Schon in wenigen Tagen werde eine Delegation des IWF nach Jakarta zurückkehren, um das Reformprogramm des Landes zu überprüfen.Indonesien könnte dann einige Wochen später wieder Geld aus dem IWF-Paket erhalten.Der IWF hatte im Frühjahr die Auszahlung der Kredite an Indonesien wegen der politischen Unruhen ausgesetzt.

Zugleich wurden in Frankfurt die Verhandlungen über die Umschuldung der 80 Mrd.Dollar schweren Verbindlichkeiten der indonesischen Privatwirtschaft bei ausländischen Banken fortgesetzt.Wegen der prekären Lage in Indonesien waren sie im Mai auf Anfang Juni verschoben worden.

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