Wirtschaft : Rußland und IWF feilschen weiter

MOSKAU / NEW YORK (rtr).Der Internationale Währungsfonds (IWF) will Rußland offenbar mit einem Milliardenkredit aus der Finanzkrise helfen.Der IWF wolle Rußland ein Darlehen von elf Mrd.Dollar (rund 20 Mrd.DM) gewähren, berichtet die "New York Times" am Sonntag.Etwa die Hälfte der Summe solle sofort bereitgestellt werden, der Rest am Ende dieses Jahres, schrieb die Zeitung unter Berufung auf russische Regierungsvertreter.Dem Zeitungsbericht zufolge will Rußland ferner mit westlichen Banken über eine zusätzliche finanzielle Unterstützung von zehn Mrd.Dollar verhandeln.Am Sonntag abend wurden die Verhandlungen des russischen Ministerpräsidenten Sergej Kirijenko mit Vertretern des IWF ohne konkretes Abkommen beendet.Die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass zitierte das Pressebüro der Regierung allerdings mit den Worten: "Die beiden Seiten haben in allen wichtigen Fragen eine Einigung erzielt".

Die Unterredung zwischen Kirijenko und dem IWF-Unterhändler John Odling-Smee war nach den Worten des russischen Finanzberaters Andrej Trapeznikow wahrscheinlich entscheidend für eine Einigung.Die Gespräche, an denen auch Finanzminister Mikhail Zadornow und Notenbankchef Sergej Dubinin teilnahm, hatten kurz nach Mittag begonnen.Einem Zeitungsbericht zufolge waren sowohl die russische Regierung als auch der IWF zuversichtlich, die Verhandlungen über das Finanzpaket noch vor Öffnung der Finanzmärkte an diesem Montag abschließen zu können.Präsident Boris Jelzin bezeichnete die Gespräche ebenfalls als gut.

Bereits am Sonnabend war eine Vereinbarung mit der Weltbank bekanntgeworden.Danach gewährt die Weltbank Rußland einen neuen Kredit von einer bis 1,5 Mrd.Dollar zur Umstrukturierung der Wirtschaft.Ein Regierungssprecher bestätigte das Zustandekommen der Vereinbarung, ohne aber eine Kreditsumme zu nennen.In russischen Medien war bislang von etwa 600 Mill.Dollar die Rede.

Wegen der Finanzkrise hatten Rußland und der IWF Ende Juni in Moskau Verhandlungen über neue Kredite aufgenommen.Rußland wollte ursprünglich bis zu 15 Mrd.Dollar zur Aufstockung seiner Devisenreserven, mit denen der Rubel gestützt wird.Gegenwärtig betragen die Reserven rund 15 Mrd.Dollar.Der IWF hatte zunächst lediglich 5,6 Mrd.Dollar in Aussicht gestellt.IWF-Chef Michel Camdessus hatte in einem Telefongespräch mit Jelzin am Freitag abend das von der russischen Regierung entwickelte Stabilisierungsprogramm gewürdigt.Bedingung für den Kredit ist unter anderem die Öffnung des Erdöl- und Erdgasmarktes.Darüber hinaus hatte die russische Regierung ein Sparpaket angekündig, das am Freitag vom Förderationsrat, dem Oberhaus des russichen Parlaments, gebilligt wurde.Der Maßnahmenkatalog sieht Haushaltseinschnitte und eine Steuereform vor.

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