Wirtschaft : Rußland vereinbart mit Banken Umschuldung

Rückzahlung von 35 Milliarden Dollar auf 25 Jahre gestreckt

MOSKAU (mzi/HB).Rußland und Vertreter des Londoner Clubs haben am Montag die Umschuldung von insgesamt rund 35 Mrd.Dollar (rund 63 Mrd.DM) vereinbart.Damit konnten sich Moskau und zuletzt rund 420 Geschäftsbanken nach sechsjähriger Verhandlungsdauer auf eines der bisher umfassendsten Schuldenabkommen überhaupt einigen.Sowohl der Regierung wie auch zahlreichen Unternehmen der Russischen Föderation öffnet die Übereinkunft nun die Möglichkeit, vermehrt Geld auf dem internationalen Kapitalmarkt aufzunehmen.Die Gesamtsumme setzt sich dabei aus 24 Mrd.Dollar Hauptschuld und 11 Mrd.Dollar ausstehenden Zinsen zusammen.Voraussichtlich am 2.Dezember gehen danach den Banken die Abschlußdokumente der Vereinbarung zu.Zu diesem Zeitpunkt, dem "closing date", wird Moskau an die Gläubiger einen Betrag von rund 3 Mrd.Dollar überweisen.Dabei handelt es sich um aufgelaufene Zinsen seit 1992.Die beiden Parteien haben sich darauf geeinigt, die Hauptschuld über einen Zeitraum von 25 Jahren einschließlich von sieben Freijahren, gerechnet ab Dezember 1995, umzuschulden.Die Rückzahlung der Zinsen wird auf 20 Jahre gestreckt.Verzinst werden die Schulden mit der "floating rate" des 6-Monats-Libor und einem zusätzlichen "spread" von 13/16 Prozent.Bei dem Libor handelt es sich um den zwischen den Geschäftsbanken in London üblicherweise gehandelten Zinssatz für Kredite mit sechsmonatiger Laufzeit; der "spread" bezeichnet eine Art Risikozuschlag je nach Bonität des Schuldnerlandes.Die Zinsschuld von 8 Mrd.Dollar soll in Bonds der Wneschekonombank umgewandelt, mit dem vereinbarten Satz verzinst und am Markt gehandelt werden. Tessen Berndt von Heydebreck, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, die in den Verhandlungen für die Gläubigerseite die Federführung innehatte, beurteilte die Vereinbarung als "historischen Moment".Rußland sei "als vertrauensvoller Schuldner auf die internationalen Kapitalmärkte zurückgekehrt", sagte von Heydebreck.Jetzt habe Moskau zudem die Chance auf eine verbessertes Einschätzung durch die Ratingagenturen.Anatolij Tschubais, Erster Vizepremier Rußlands, sieht mit der getroffenen Vereinbarung die Arbeit der Regierung bestätigt.Moskau genieße wieder Autorität in der Welt."Rußland steht fest zu seinen Verpflichtungen", versprach Tschubais.Die Einigung mit dem Londoner Club öffne die Türen für ausländisches Kapital.Tausende russischer Firmen besäßen nun die Möglichkeit, Kredite ausländischer Banken aufzunehmen.

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